| Brigitte M. Gensthaler |
| 26.03.2026 09:00 Uhr |
Durch den Verzehr von lokalen Speisen steige das Risiko für Hepatitis A und Typhus, sagte die Tropenmedizinerin. In Deutschland geborene Kinder von VFR-Reisenden sollten laut STIKO gegen Hepatitis A geimpft werden. Dies ist ab dem vollendeten ersten Lebensjahr möglich. Kinder können die Viren über längere Zeit ausscheiden und sie damit auch nach Rückkehr in ihrer Umgebung verbreiten.
Gut vorbereitet für die Fernreise / © Getty Images/PeopleImages
Auch bei Kurzreisen, insbesondere auf den indischen Subkontinent, sollten VFR-Reisende gegen Typhus geschützt sein. Allerdings darf der orale Typhusimpfstoff erst ab fünf Jahren gegeben werden; der parenterale Impfstoff ist ab zwei Jahren zugelassen.
Eindringlich wies die Ärztin auf die Meningokokken-Impfung hin. Seit 2024 empfiehlt die STIKO die Standardimmunisierung gegen Meningokokken der Serogruppe B für Säuglinge ab zwei Monaten bis zum 5. Geburtstag. Jugendliche von 12 bis 14 Jahren sollen standardmäßig einmal den quadrivalenten Konjugatimpfstoff gegen die Serogruppen A, C, W und Y bekommen. Die bislang empfohlene monovalente Impfung gegen Men C im Alter von zwölf Monaten entfällt.
Aktuell gebe es keine generelle Empfehlung für den Men-ACWY-Impfstoff für Kleinkinder, aber als Reisimpfung solle er großzügig genutzt werden, empfahl Kitz. »Ich nutze jede Reise als Anlass zur Impfung.« Dies gelte vor allem bei Langzeitaufenthalt oder Reisen in Länder mit epidemischem Vorkommen, zum Beispiel im Meningitisgürtel, einer Region in Subsahara-Afrika, die sich etwa von Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten erstreckt.
Ebenso plädierte sie für einen breiten Einsatz der Tollwut-Impfung, denn durch den Kontakt mit Tieren im Wohnumfeld sei das Infektionsrisiko erhöht. Die Impfung könne ebenso wie die gegen Hepatitis B ab Geburt gegeben werden.
VFR-Reisende haben ein 8- bis 10-fach höheres Risiko für eine Malaria als Touristen, berichtete Kitz. »Viele denken, sie seien immun gegen Malaria und würden dies an ihre Kinder vererben.« Auch Apothekenteams können Eltern darüber aufklären, dass eine im Heimatland erworbene frühere Teilimmunität oft schon nach sechs Monaten Abwesenheit verloren geht und keinesfalls »vererbt« wird.
Auch wenn die Abwehr von Mückenstichen durch Repellenzien und imprägnierte Moskitonetze oberstes Gebot zur Prophylaxe ist: »Ein Moskitonetz reicht nicht aus in Hochrisikogebieten.« Viele Reisende wüssten nicht, dass es auch eine Chemoprophylaxe für kleine Kinder gibt.
Die Kombination Atovaquon/Proguanil ist für Kinder ab 11 kg Körpergewicht zur Prophylaxe zugelassen (Malarone Junior) und zur Therapie bereits bei Kindern ab 5 kg. Nach Angaben des RKI (Stand März 2024) ist auch die Gabe von Chloroquin und Proguanil möglich (geringere Dosierungen laut Angaben der Hersteller). Doxycyclin darf erst ab dem neunten Lebensjahr verordnet werden.
Kinderärztin Dr. Christa Kitz, Würzburg, stellte zwei Beispiele aus ihrer Praxis vor.
Eine indische Familie wollte mit ihrem drei Monate alten Säugling für drei Monate nach Indien fahren, um das Kind der Familie vorzustellen. Die Eltern hätten gefragt, ob sie die nächste U-Untersuchung verschieben könnten. In einem neu angesetzten Beratungstermin müssten das genaue Reiseziel und der Impfschutz geklärt werden, sagte die Ärztin.
Sie empfehle für das Kind alle in diesem Alter möglichen Grundimmunisierungen, zusätzlich den Impfschutz vor Meningokokken (MenACWY), Japanischer Enzephalitis und Tollwut. Anzuraten sei eine BCG-Impfung des Kindes in Indien, die vor tuberkulöser Meningitis, früher Aussaat der Erreger über das Blut in den Körper (Miliartuberkulose) und sekundär vor Lepra schützt. Auch der Impfschutz der Eltern sei zu prüfen. Ihnen seien Impfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus, Japanische Enzephalitis, Tollwut, MenACWY und Influenza anzubieten, gegebenenfalls auch gegen Dengue-Fieber und Chikungunya.
Zweites Beispiel: Eine Familie aus dem Kongo möchte mit ihrem fünf Monate alten Kind für mehrere Monate nach Hause fahren. Die Mutter soll noch rasch gegen Gelbfieber geimpft werden. Neben den Grundimpfungen empfehle sie für den Säugling den Schutz vor Gelbfieber, MenACWY und Tollwut sowie eine Malaria-Prophylaxe, sagte Kitz. Allerdings ist der Gelbfieber-Lebendimpfstoff bei Kindern unter sechs Monaten kontraindiziert und darf nur in Ausnahmefällen im Alter von sechs bis acht Monaten verabreicht werden. Auch hier sei der Impfschutz der Erwachsenen zu prüfen und gegebenenfalls zu ergänzen.
Hinweis: Eine Gelbfieber-Impfung ist laut WHO formal lebenslang gültig und wird so im Impfpass dokumentiert. Sind zehn oder mehr Jahre seit der Erstimpfung vergangen, rät die STIKO jedoch vor erneuter oder bei fortgesetzter Exposition zu einer einmaligen Auffrischung.