| Cornelia Dölger |
| 29.10.2026 16:20 Uhr |
Immer wieder für Verwirrung bei der Kundschaft sorgt das Apotheken-A an einer Fassade in der Hagener Kampstraße. Es gehört zu einer längst geschlossenen Apotheke, aber viele ordnen es dem direkt angrenzenden Reformhaus zu. / © privat
Das rote Apotheken-A ist ein Erkennungszeichen, auffällig und meist weithin erkennbar. Der gotische Buchstabe mit Arzneikelch und Schlange dient den Menschen als Orientierung und ist aus deutschen Innenstädten nicht wegzudenken – dem Apothekensterben zum Trotz.
Wie sehr sich die Menschen an dem leuchtenden A orientieren, zeigt sich in der Hagener Kampstraße. Auch in der westfälischen Stadt ist der Rückgang der Apotheken ein Thema; die Geschäftsdichte in der Innenstadt dünnt seit Jahren generell aus. Seit 120 Jahren hält sich in der Kampstraße Nummer 11 aber ein Reformhaus: bis vor Kurzem das Reformhaus Bodenhausen, nach einem Inhaberwechsel nun das Reformhaus Goll, das in Nordrhein-Westfalen 15 Filialen betreibt.
Die Hagener Filiale kann sich über mangelnde Kundschaft nicht beklagen. Zwischen Juwelier, Eisdiele und Spielzeuglädchen kommen die Menschen in den Laden, der eine typische Mischung aus Drogerie, Bioladen und Nahrungsergänzungs-Fachhandel ist. Apothekenpflichtige Arzneimittel gibt es keine – und dennoch wollen immer wieder Kundinnen und Kunden ein Rezept einlösen oder Hustentabletten kaufen.
Der Grund dafür findet sich schräg über der Glasschiebetür: Ein in die Jahre gekommenes Apotheken-A hängt in gut vier Metern Höhe an der gelben Fassade und weist den Weg – direkt ins Reformhaus. Denn die unmittelbar nebenan liegende »Campus«-Apotheke, zu der das A gehört, sei seit 2013 geschlossen, wie Mitarbeitende des Reformhauses der PZ berichten. Das A blieb – und mit ihm offenbar seine Wegweiserfunktion.
Es komme immer wieder vor, dass die Menschen glaubten, sie wären in einer Apotheke, sagen die Reformhausmitarbeitenden. Nachfragen zu Arzneimitteln und Rezeptwünsche bekomme das Team regelmäßig, man sei das schon gewohnt. In ihren zweieinhalb Jahren, die sie nun hier angestellt sei, habe sie »mindestens 100« Rezeptanfragen erhalten, erzählt eine Mitarbeiterin.
Die Apothekenräume stehen leer. Außer dem A an der Fassade deutet nichts darauf hin, dass hier einst Arzneimittel abgegeben, Rezepturen angefertigt und Patienten beraten wurden. Zwischendurch sei mal ein Sportgeschäft eingezogen, heißt es, das sei aber auch schon lange her. Warum das A blieb, weiß man nicht. Es gehört für die Leute zum Straßenbild in der Kampstraße.
Ganz unproblematisch sind solche verwaisten Symbole nicht. Das Apotheken-A ist markenrechtlich geschützt, Inhaber ist der Deutsche Apothekerverband (DAV), der darauf hinweist, dass die Führung der Marke nur ihm, seinen Mitgliedsorganisationen, anderen Berufsorganisationen der Apotheker sowie den Leitern öffentlicher Apotheken erlaubt sei. Gegen Missbrauch werde konsequent vorgegangen.