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Reaktion auf Grünen-Vorstoß

Wenig Unterstützung für die Corona-Impfung in der Apotheke

Anders als die Berliner Grünen kann sich die Bundestagsfraktion der Partei keine Covid-19-Impfungen in der Offizin vorstellen. Dort denkt man stattdessen über gemeinsame Impfbusse von Hausärzten und Apothekern nach. Auch die Koalitionspartner der Grünen im Berliner Senat sind skeptisch.
Stephanie Schersch
26.01.2021  13:00 Uhr

Es ist eine Mammutaufgabe, die Deutschland derzeit in den rund 400 Impfzentren zu bewältigen versucht: In den kommenden Monaten soll jeder Bundesbürger die Chance bekommen, einen Schutz gegen das Coronavirus aufzubauen. Zwei Impfstoffe sind hierzulande inzwischen auf dem Markt, ein dritter soll in Kürze folgen. Doch an der Impfstrategie der Bundesregierung wächst inzwischen die Kritik. So sorgen nicht nur verzögerte Impfstofflieferungen für ein Problem, auch eine zum Teil recht komplizierte Terminvergabe hatte zuletzt viele Fragen aufgeworfen.

Dabei gibt es viele Ideen, wie die Impfkampagne auch anders aufgezogen werden kann. Erst vor Kurzem hatten die Berliner Grünen eine Impfung in der Apotheke ins Spiel gebracht. Demnach könnten mittelfristig Offizinen in allen Kiezen der Hauptstadt als Anlaufstelle für Impfwillige dienen. In der Bundestagsfraktion der Grünen steht man diesem Vorschlag eher skeptisch gegenüber. Nach Meinung des Grünen-Gesundheitsexperten Janosch Dahmen löst eine Einbindung der Apotheker nicht das eigentliche Problem. »Ich denke nicht, dass wir zu wenig Köpfe zum Impfen haben«, sagte er im Gespräch mit der PZ. Vielmehr sei die Impfstrategie schlichtweg zu starr organisiert.

Mit dem Impfbus in die Quartiere

Dahmen zufolge muss es vor allem darum gehen, den Impfstoff mobiler zu machen. Die Impfteams, die derzeit bundesweit unterwegs sind und die Bewohner von Pflegeheimen immunisieren, reichen dem Grünen-Politiker nicht aus. So sollten auch Hausärzte in sogenannten Impfbussen die Vakzine in die Fläche bringen und in den Quartieren Station machen, forderte er. In Bayern gibt es bereits ein solches Projekt. Vor allem ältere Menschen, die allein zu Hause lebten, hätten es häufig schwer, zur Impfung zu kommen, so Dahmen. »Der Weg in ein Impfzentrum ist für viele einfach zu weit, aber der Weg zum Marktplatz ist gerade noch zu stemmen.«

Dabei sollte stets auch ein Apotheker mit an Bord der Impfbusse sein, um die Vakzine aufzubereiten. »Die pharmakologische Expertise ist wichtig«, sagte Dahmen. Impfende Apotheker kann sich der Arzt aus Nordrhein-Westfalen allerdings nicht vorstellen. So sei die Coronavirus-Impfung eben mehr als nur ein Piks und nicht mit der Grippeimpfung zu vergleichen, die Apotheker im Rahmen von Modellprojekten seit Kurzem bereits übernehmen. »Ich halte die Covid-19-Impfung in der Apotheke daher nicht für einen realistischen Weg und würde lieber auf die Hausärzte und damit auf bewährte Strukturen zurückgreifen«, so Dahmen.

Gegenwind aus der Koalition

Die Berliner Grünen scheinen das anders zu sehen. Ihren Vorstoß müssen sie allerdings zunächst mit den Koalitionspartnern im Senat abstimmen. Dort dürfte ordentlich Gegenwind auf sie zukommen. So halten etwa die Berliner Linken wenig von der Grünen-Idee. »Impfen ist ein ärztlicher Eingriff, aus gutem Grund, und er sollte es tunlichst auch bleiben«, sagte Linken-Gesundheitsexperte Wolfgang Albers auf Nachfrage der PZ. Er sieht vor allem die niedergelassenen Ärzte am Zug, sobald ausreichend leichter händelbare Impfstoffe am Markt sind. »Dort kann problemlos, wohnortnah und niederschwellig geimpft werden und das dürfte neben der Impfbereitschaft auch die Impfzahlen deutlich steigern.«

Skeptisch zeigte sich auch Thomas Isenberg, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Derzeit seien die begrenzt verfügbaren Impfstoffe das größte Problem, nicht aber zu wenig Personal zum Impfen, sagte er gegenüber der PZ. Zudem müsste zunächst geklärt werden, welche räumlichen und fachlichen Anforderungen Apotheker erfüllen müssten und welche Impfstoffe überhaupt in Offizinen zum Einsatz kommen könnten. »Derzeit sehe ich also mehr Fragen als Antworten«, so Isenberg.

In der Opposition zeigt man sich zumindest offen mit Blick auf den Vorstoß der Grünen. »Wenn der Wunsch der Apotheker besteht, selbstständig zu impfen, dann sollte das BMG zu gegebener Zeit die Möglichkeiten prüfen, diese vor Ort einzubinden«, sagte Tim-Christopher Zeelen von der Berliner CDU. Derzeit wisse aber niemand, wann weitere Impfstoffe zugelassen und in ausreichender Anzahl vorhanden sein werden. Sobald es möglich sei, sollten dann zunächst die niedergelassenen Ärzte in der Breite impfen, forderte Zeelen.

FDP-Gesundheitsexperte Florian Kluckert kann sich die Corona-Impfung in der Apotheke grundsätzlich vorstellen, sofern die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien und entsprechende Impfstoffe dies möglich machten. Das erklärte er auf Nachfrage gegenüber der PZ. »Wir sollen generell jeden Weg nutzen, um die Impfung zu den Leuten zu bringen.« 

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