| Johanna Hauser |
| 24.09.2026 09:00 Uhr |
Zugelassene Phytopharmaka mit Traubensilberkerze können Wechseljahresbeschwerden lindern. / © Getty Images/Giorez
Die hormonellen Umstellungen in den Wechseljahren gehen häufig mit zahlreichen Beschwerden einher, darunter Hitzewallungen, Nachtschweiß, Gedächtnisverlust, Reizbarkeit, depressive Verstimmung oder Herzrasen. Nicht immer ist eine Hormonersatztherapie nötig oder möglich, viele Frauen lehnen sie auch ab. Stattdessen greifen sie auf Phytopharmaka oder Nahrungsergänzungsmittel zurück. Aber sind diese Präparate wirklich wirksam?
»Öko-Test« ließ sechs Phytopharmaka und 17 Nahrungsergänzungsmittel von den Pharmazeuten Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics von der Goethe-Universität Frankfurt am Main bewerten. Während die Phytopharmaka von den beiden Experten weitestgehend positiv beurteilt wurden, kam kein Nahrungsergänzungsmittel über die Note »mangelhaft« hinaus. Allerdings wertete »Öko-Test« drei Arzneimittel wegen verwendeter Hilfsstoffe ab.
Die Wirksamkeit der sechs getesteten, als Arzneimittel zugelassenen Phytopharmaka wird von den beiden Experten vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Uni mit »gut« bewertet. Hierbei handelt es sich um Monopräparate mit Extrakten der Traubensilberkerze (Cimicifuga) oder Rhapontikrhabarberwurzel sowie um ein Kombinationspräparat aus Cimicifuga und Johanniskraut. Drei Cimicifuga-haltige Phytopharmaka wurden von »Öko-Test« mit »gut« bewertet. Das »sehr gut« verwehrte »Öko-Test«, da zulassungsrelevante Studien zum Teil nicht mehr wissenschaftlichen Standards entsprechen.
Trotz positiv bewerteter Wirksamkeit gab es Abzüge um drei Notenstufen bei drei der getesteten Präparate. Anlass ist der Einsatz von Talkum, das von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) als »wahrscheinlich krebserregend« eingestuft wird. Obwohl pharmazeutisches Talkum frei von Asbestrückständen ist, könne eine krebserzeugende Eigenschaft nicht ausgeschlossen werden, argumentiert »Öko-Test«.
Einen weiteren Abzug gab es für Klimadynon® und Remifemin Plus® wegen des in den Formulierungen enthaltenen Titandioxids. Der Weißmacher schützt als Tablettenbeschichtung empfindliche Wirkstoffe vor Zersetzung durch UV- und Tageslicht. Obwohl die europäischen Zulassungsbehörden das Risiko für Patienten als extrem gering und vertretbar einstufen, wird er von »Öko-Test« kritisch gesehen und sein Einsatz immer wieder bemängelt.