Phytopharmaka sind Vielstoffgemische, betonte Fürst. Insofern könnten sie nicht wie chemisch-synthetische Arzneistoffe streng nach Expektorans oder Antitussivum klassifiziert werden. Die Bezeichnung »antitussiv wirksam« passe für eine pflanzliche Zubereitung einfach nicht. »Schließlich haben pflanzliche Arzneimittel einen anderen Wirkmechanismus als die zentral angreifenden Antitussiva.«
Vielmehr gebe es Phytopharmaka, die sich gegen Reizhusten wenden. Präparate mit schleimstoffhaltigen Drogen wie Isländisch Moos (zum Beispiel Isla® Halspastillen) oder Eibisch (zum Beispiel Bronchostop®, Phytohustil®, Naturalis® Mund- und Rachenspray) befeuchten die Schleimhäute. Das Lutschen regt zudem den Speichelfluss an. Die in den Schleimstoffen enthaltenen Polysaccharide bilden mit dem Speichel eine Art Schutzfilm, der sich an die Schleimhaut heftet. Durch diese mucilaginöse Wirkung wird das entzündete Epithel vor weiteren Reizen geschützt.
Bei den Phytopharmaka gegen Bronchitis befinden sich dagegen viele ätherische Öle. »Und die vereinen nun mal sowohl entzündungshemmende als auch antiinfektive Effekte«, informierte der Phyto-Experte. »Das Besondere im Bereich der Naturstoffe im Infektionsbereich ist, dass sie einen breiten Ansatz haben und meist antiviral und antibakteriell wirken.«
Apropos breites Wirkspektrum: Dafür sei der Pelargonium-Spezialextrakt EPs 7630 bestes Beispiel. »Sein Wirkprinzip ist nicht auf einen Mechanismus zu reduzieren, sondern als synergistisches Zusammenspiel mehrerer Wirkansätze zu sehen. Hervorzuheben ist besonders die immunstimulierende Komponente.«
Generell rät der Apotheker dazu, relativ zügig – also beim ersten Anflug von Erkältungszeichen – in den Arzneischrank zu greifen. Das habe den Vorteil, den grippalen Infekt eventuell noch abfangen zu können oder von weniger starken Symptomen belästigt zu werden. Auch hierfür gebe es einige gute Daten.
So habe etwa das Präparat Angocin® Anti-Infekt N gezeigt, dass es die Wahrscheinlichkeit von Atemwegsinfektionen allgemein gegenüber Placebo verringern kann. »Die Fixkombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel verfügt über eine aussagekräftige Studie mit mehreren hundert Personen, die das vorbeugende Potenzial gegen Infekte in der Erkältungssaison belegt. Danach gab es 40 Prozent weniger Erkältungen in der Verumgruppe.« Interessant: Angocin® Anti-Infekt ist für die Indikationen Bronchitis und Sinusitis zugelassen, nicht dagegen zur Prävention.
Die Evidenz im Bereich Atemwege ist jedoch laut Fürst nicht so gut wie bezüglich der ableitenden Harnwege. Senfölhaltige Zubereitungen – die genannte gepulverte Drogenmischung ist das einzige in Deutschland verfügbare Arzneimittel – verfügen über ein breites antimikrobielles Wirkspektrum, das sich auch zur Prophylaxe von immer wiederkehrenden Harnwegsinfektionen als positiv herausstellte. »Die Datenlage der enthaltenen Isothiocyanate ist auch deutlich besser als etwa die zu Bärentraubenblättern«, merkte Fürst an.
Wie steht es um das vorbeugende Infektpotenzial des Sonnenhutes? »Die Studienlage ist zwar nicht hervorragend, doch es ist daraus eine gewisse Evidenz für das Abfangen eines Infekts zu Beginn einer Erkältung abzuleiten«, formulierte es der Fachmann. Allerdings gelte es hierbei, den pharmazeutischen Sachverstand bezüglich verwendeter Pflanzenteile und Auszüge walten zu lassen.
So sind die Presssäfte und die getrockneten Presssäfte aus dem frischen Kraut des Purpursonnenhuts mit einem Droge-Extrakt-Verhältnis (DEV) von 1,5–2,5:1 positiv zu bewerten (wie Echinacin®, Esberitox® mono, Echinacea ratiopharm). Es gibt auch eine Well-established-Use-Monographie des HMPC-Ausschusses der EMA für Presssaft oder Trockenextrakt. Studien, zum Beispiel mit Echinacin®, hätten gezeigt, dass es »den Patienten schneller besser geht, und das ist entscheidend«. Alle anderen Zubereitungen wie aus E. pallidae radix oder E. angustifolia radix sind lediglich Arzneizubereitungen nach traditioneller Anwendung.
Zur unterstützenden Therapie viraler Erkältungskrankheiten biete sich auch die Fix-Trockenextrakt-Mischung an, bestehend aus den Wurzeln des Purpursonnenhuts und des Blassfarbenen Sonnenhuts, dem Wurzelstock der Färberhülse (Baptisia tinctoria) und den Spitzen und Blättern des Lebensbaums (Thuja occidentalis). Esberitox® compact und Meditonsin® extract (die Präparate enthalten die gleiche Extraktmischung) haben eine gute Studie vorzuweisen, die die Verkürzung der Infektionsdauer um ein bis zwei Tage zeigt, führte Fürst aus.