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Umfrage zum Covid-19-Schutz

Was Menschen vom Impfen abhält

Wie viel Potenzial für Impfungen gibt es noch unter den Ungeimpften?

Wie viel Potenzial für Impfungen gibt es noch unter den Ungeimpften?

Aufgrund der Resultate der Cosmo-Studie hält die Psychologin Betsch eine Impfquote um 80 Prozent in der befragten Altersgruppe (18 bis 74 Jahre) für möglich. Sie betont jedoch, dieser Maximalwert sei nur schwer erreichbar. Aber: «Schon 10 Prozent mehr Impfbereitschaft können einen großen Unterschied machen.»

Uwe Wagschal von der Universität Freiburg, der die Befragung «Politikpanel Deutschland» leitet, geht von einer tendenziellen Impfbereitschaft von mehr als 80 Prozent der Erwachsenen aus. Bei älteren Menschen sieht Betsch nur noch wenig Potenzial. «Besonders in der Gruppe der älteren Befragten über 60 sind fast alle Impfwilligen bereits geimpft», heißt es in der Cosmo-Studie. «Wer jetzt noch ungeimpft ist, will es auch eher nicht.» Auch RKI-Expertin Schmid-Küpke betont, bei Menschen über 60 gebe es nur noch eine kleine Lücke. Eine größere Chance, impfbereite oder unentschlossene Menschen noch zu erreichen, bestehe bei den 18- bis 59-Jährigen.

Schmid-Küpke ist optimistisch, dass die vom RKI ausgegebenen Zielimpfquoten erreicht werden können: Demnach sollten mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 vollständig geimpft sein. Würden diese Quoten rechtzeitig erreicht, scheine «eine ausgeprägte vierte Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrscheinlich», hatte das Institut Anfang Juli erklärt.

Wie lässt sich die Impfquote steigern?

Gerade jüngeren Menschen mit eher geringer Risikowahrnehmung müsse man die Impfung so leicht wie möglich machen, sagt Schmid-Küpke. «Impfen quasi im Vorbeigehen», wie das etwa bei Ikea in Berlin gemacht werde. Die Cosmo-Studie stellt fest: «Wer kein Verweigerer ist, fühlt sich eher von praktischen Barrieren vom Impfen abgehalten.» Sie rät: «Praktische Barrieren sollten abgebaut werden», der Zugang zu Impfungen sollte «so einfach wie möglich sein» - etwa in Apotheken oder Einkaufszentren, aber auch am Arbeitsplatz und im Bildungssektor. «So können große Gruppen mit vielen Kontakten erreicht werden und der Aufwand, an eine Impfung zu kommen, wird drastisch reduziert.» Dadurch erreiche man neben jüngeren Menschen besonders Männer, Menschen mit Kindern, niedrigerer Bildung oder Migrationshintergrund. Auch eine bessere Aufklärung in verschiedenen Sprachen könnte die Impfakzeptanz noch erhöhen.

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