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Sport im Klimawandel
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Was der Berlin-Marathon lehrt

Eine gute Wetterbeobachtung, Schulung aller Beteiligten, ausreichend Schatten, Kühlung und Flüssigkeit: Dies sind wichtige Elemente, um Ausdauersportler vor Hitzeschäden zu schützen. Eine gute Vorbereitung ist essenziell. 
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 12.06.2026  16:15 Uhr

Traditionell findet am letzten September-Wochenende der Berlin-Marathon über die historische Strecke von 42,195 km statt: mit etwa 55.000 laufenden Teilnehmern, rund 7300 Helfenden und bis zu 1,3 Millionen Zuschauern ein sportliches und organisatorisches Großereignis. Was in puncto Hitzeschutz zu beachten ist, erklärte Dr. Margrit Lock, Teamärztin bei Sportgroßveranstaltungen und Mitglied im Medical Team des Berlin-Marathons, bei einer Online-Veranstaltung der Bundesärztekammer gemeinsam mit KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit am 11. Juni. Anlass war der Hitzeaktionstag, der zum vierten Mal stattfand.

»Im Jahr 2025 sind die Läufer bei 20,9 °C gestartet und erlebten bis zu 29,9 °C mittags«, berichtete die Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie. Zur Abschätzung der Belastung für Sporttreibende diene aber nicht die Umgebungstemperatur, sondern die Kühlgrenz- oder Feuchtkugeltemperatur (Wet Bulb Globe Temperature, WBGT-Index). Darin fließen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Sonneneinstrahlung ein.

Die WBGT gibt an, ab welcher Temperatur es dem Körper nicht mehr gelingt, sich durch Schwitzen zu kühlen. Anders gesagt: Die Kühlgrenztemperatur ist die niedrigste Temperatur, die durch Verdunstung von Schweiß erreicht werden kann.

Blasenpflaster und Eisbäder

Angesichts der Hitzebelastung 2025 hielt das medizinische Team 1300 kg Eis, 250.400 L Trinkwasser, 6600 L Tee und 21.830 L Elektrolytlösung bereit. »Das ist eine logistische Meisterleistung.« Trotz umfassender Versorgung entlang der Strecke habe das Team 1550 Hilfeleistungen, davon die meisten im Zielbereich, erbracht. Das reiche von Blasenpflaster bis zur Reanimation, berichtete die Sportärztin.

»Im Zielbereich haben wir mehr Möglichkeiten der Hilfe.« Hier stünden sogar Eisbäder für überhitzte Sportler bereit. Bei einer Körperkerntemperatur über 39 Grad seien die Betroffenen oft verwirrt, desorientiert und aggressiv. Wird der Körper auf 37,5 bis 37 Grad abgekühlt, »klaren sie neurologisch gut auf, können wieder selbst trinken und nach Hause gehen«, berichtete Lock.

Gut vorbereitet an den Start

Damit es nicht zu Notfällen kommt, erhalten die Marathon-Teilnehmer vorab einige Verhaltenstipps. So sollen sie in den Tagen vor der Höchstleistung – und ebenso danach – ausreichend mineralisierte Getränke (1,5 bis 2 L/Tag) zu sich nehmen, sich natriumreich und flüssigkeitsbetont (Suppe!) ernähren sowie Anstrengungen und harntreibende Getränke wie Kaffee vermeiden.

Sportler sollten Elektrolytlösungen vorher ausprobieren, auch wegen möglicher Magen-Darm-Probleme, riet die Ärztin. »Zu hoch dosierte Elektrolyte führen zum Erbrechen.«

Noch ein Tipp zur Kleidung: »Besser am Start eher frösteln und sich warmlaufen als mollig bekleidet starten.« Eine Kopfbedeckung reduziere direkte Sonneneinstrahlung; außerdem könne man die Mütze nass machen oder Eiswürfel zur Kühlung drunter stecken.

Am Renntag selbst sollten die Läufer in Maßen mineralisierte Getränke aufnehmen und die Wasserversorgung im Startbereich (200 ml bis 20 Minuten vor dem Start) und während des Laufs nutzen. Hier gilt die Regel: an jedem zweiten Verpflegungspunkt 200 ml trinken. Wem es sehr warm ist, der solle sich Wasser über den Kopf schütten oder zu Eiswürfeln greifen. 

Neben guter Vorbereitung, Sensibilisierung und Schulung aller Beteiligten plädierte Lock für mehr Forschung zum Einfluss des Klimawandels auf den Organismus. »Mehr Erkenntnisse wären dringend nötig, auch um eventuell Start- und Jahreszeiten von Sportveranstaltungen zu verändern.«

Festivals: hohe Temperaturen, extreme Risiken

Hohe Temperaturen und direkte Sonneneinstrahlung belasten Besucher und Personal auch bei Festivals. »Aber Festivals haben ein eigenes Risiko, zumal sie in der Regel im Sommer stattfinden und oft mehrere Tage dauern«, berichtete Bernd Lödel, stellvertretender Abteilungsleiter und Katastrophenschutzbeauftragter beim Bayerischen Roten Kreuz.

Ein erheblicher Risikofaktor sei Alkohol, der die Durstwahrnehmung vermindert und die Dehydration fördert. Hinzu komme die körperliche Belastung. »Tanzen, Springen und Stehen in Menschenmengen erschweren die Wärmeabgabe des Körpers.« Fehlende Rückzugsbereiche, wenig Schlaf sowie Mangel an Sitzgelegenheiten, Schatten und kühlen Zonen verhinderten die Regeneration und erhöhten die Hitzebelastung. Viele Besucher würden Warnzeichen wie Kopfschmerzen und Schwindel ignorieren oder unterschätzen.

»Prävention, also gezielte Hitzeschutzmaßnahmen sind essenziell für die Sicherheit und ein positives Festivalerlebnis«, betonte Lödel. Besucher sollten regelmäßig Wasser und alkoholfreie Getränke trinken, sich effektiv vor Sonne schützen, regelmäßige Pausen im Schatten machen, Warnsignale beachten und sich gegebenenfalls Hilfe holen.

Die Veranstalter sieht er in der Pflicht, ausreichend kostenloses Trinkwasser bereitzustellen, Schattenbereiche, zum Beispiel mit Zelten und Sonnensegeln, zu schaffen, wenn die natürliche Beschattung des Geländes nicht ausreicht, und für gut ausgestattete Erste-Hilfe-Stationen zu sorgen. Das Personal – »auch die Helfer- und Security-Kräfte« – müssten umfassend geschult sein.

Regelmäßige Durchsagen und Wetterbeobachtung könnten helfen, Besucher über Hitzegefahren zu informieren und das Programm bei extremer Hitze anzupassen, betonte der BRK-Experte. Dass ein Festival wegen Hitze abgesagt wurde, habe er aber noch nie erlebt. 

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