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Magenverkleinerung

Was das für die Medikation bedeutet

Eine Magenverkleinerung ist für extrem übergewichtige Menschen oft die einzige Option, dauerhaft abzunehmen. Nach der Operation ist hinsichtlich der Einnahme von Medikamenten einiges zu beachten. Nicht zuletzt wegen der veränderten Resorption. 
Kirsten Anschütz
15.03.2022  08:24 Uhr

Krankhaftes Übergewicht (Adipositas) und die damit verbundenen Folgeerkrankungen sind inzwischen weit verbreitet. Betroffenen, die mehrere Versuche zur Gewichtsabnahme erfolglos hinter sich haben, wird mittlerweile oft zu einer bariatrischen Operation geraten. Dabei wird durch einen chirurgischen Eingriff die Anatomie im Magen-Darm-Trakt verändert. Während früher mittels Magenbändern ein Teil des Magens abgebunden wurde, setzt man heute auf eine Schlauchmagen- oder Magenbypass-OP.

Beim Schlauchmagen wird ein großes Stück des Magens laparoskopisch entfernt. Durch das deutlich verringerte Volumen wird die Nahrungsaufnahme begrenzt. Der Magenbypass geht noch einen Schritt weiter: hier wird der Magen deutlich verkleinert und an einen tieferen Ast des Dünndarms angeschlossen. Nahrung und damit auch Medikamente gelangen dadurch ohne Verzögerung in tiefere Abschnitte des Dünndarms, was zu einer Verringerung der aufnehmbaren Menge, aber auch zu einer schlechteren Verwertung (Malresorption) führt.

NSAR sind kontraindiziert

Betroffene bekommen nach der Operation beim Verlassen des Krankenhauses in der Regel eine Liste mit Medikamenten, die sie nicht mehr nehmen sollen oder dürfen. Bei der Beratung gelten folgende Regeln:

  • Je frischer die Operation, desto vorsichtiger sollten Medikamente ohne ärztliche Rücksprache eingesetzt werden.
  • Auch langfristig ist Vorsicht geboten bei Medikamenten, die entweder den Magen direkt schädigen können oder die durch ihre Verarbeitung wie Retardierung schlecht resorbiert werden. Eine schlechte Resorption kann vor allem beim Magenbypass ein Problem darstellen. Viele Stoffe, die im oberen Dünndarm aufgenommen werden, gelangen nicht mehr oder nicht in ausreichender Menge ins Blut. Bei Retardarzneiformen reicht womöglich die Strecke nicht mehr, um sie ausreichend aufzulösen, was zu einer Minderresorption führt.

Kontraindiziert sind in der Selbstmedikation alle nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Naproxen einschließlich der Coxibe und Flurbiprofen. Vor allem bei Dauergebrauch können sie zu einer direkten Schädigung des Magens führen. Zwar kann dieser Effekt durch eine Kombination mit einem Protonenpumpen-Hemmer umgangen werden, allerdings sollte die Einnahme nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Als Alternative zu den NSAR kann Paracetamol empfohlen werden, gegebenenfalls in Kombination mit Coffein als Wirkverstärker. Bei gastrointestinalen Problemen ist zudem die Anwendung von Butylscopolamin und Dimethicon sinnvoll. Generell sollten bevorzugt nicht orale Arzneiformen wie Salben und Gele sowie Schmerzpflaster oder Zäpfchen eingesetzt werden.

Sind die Schmerzen mit diesen Maßnahmen oder alternativen Anwendungen wie Wärme oder ätherischen Öle (zum Beispiel bei Kopfschmerzen) nicht in den Griff zu bekommen, sollte der Patient an einen Arzt verwiesen werden. Mit Metamizol oder stärkeren, nicht magenwirksamen Arzneistoffen gibt es Alternativen außerhalb der Selbstmedikation.

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