| Carolin Lang |
| 09.09.2026 18:00 Uhr |
Eine Vaginalmykose kann sich durch Jucken und Brennen bemerkbar machen. / © Adobe Stock/scentrio
Etwa zwei von drei Frauen erkranken mindestens einmal im Leben an einer Vaginalmykose. Manche auch wiederholt: Bei mehr als vier Erkrankungsperioden innerhalb eines Jahres spricht man von rezidivierender vulvovaginaler Candidose. Im Bereich der Selbstmedikation stehen neben lokalen Antimykotika und Antiseptika auch Probiotika zur Verfügung. Doch wie steht es um deren Wirksamkeit? Dieser Frage hat sich jetzt das EviNews-Team gewidmet.
Dazu stellt es im aktuellen Newsletter eine Metaanalyse von Juli 2026 vor, die Probiotika bei (rezidivierender) Vaginalmykose bei nicht schwangeren Frauen als Monotherapie oder zusätzlich zu Antimykotika untersucht hat. Die Ergebnisse wurden im »American Journal of Obstetrics & Gynecology« publiziert. Die Analyse umfasste 14 randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 671 Patientinnen in Interventions- sowie 636 Patientinnen in Kontrollgruppen. Die Probiotika wurden zum Teil oral als Kapsel geschluckt, zum Teil als Vaginalkapsel eingeführt.
Zehn Studien verglichen dabei den Einsatz von Probiotika als Add-on zu Antimykotika mit Antimykotika allein (mit oder ohne Placebo). Bei drei Studien erfolgte ein Head-to-Head-Vergleich, also nur Probiotika oder nur Antimykotika, während eine Studie Probiotika allein mit Placebo verglich.
Die Analyse ergab, dass die mykologische und klinische Heilungsrate einer Vaginalmykose nach einem Monat signifikant höher war, wenn zusätzlich zum Antimykotikum ein Probiotikum eingenommen wurde als unter Antimykotikum allein. Die Rezidivrate nach sechs Monaten wurde verringert. Bei rezidivierenden Infektionen war mit Probiotikum als Add-on die kombinierte Heilungsrate nach drei Monaten höher.
Im direkten Vergleich zu Antimykotika waren Probiotika bezüglich der mykologischen Heilungsrate unterlegen, nicht aber bezogen auf die klinische Symptomatik.
Im Vergleich zu Placebo waren Probiotika bei rezidivierender vulvovaginaler Candidose nach sechs Monaten in Bezug auf die mykologische Heilungsrate überlegen.
Für die vaginale Anwendung von Probiotika gilt:
Das EviNews-Team schätzt die Evidenz insgesamt als niedrig ein und weist darauf hin, dass ein Großteil der betrachteten Antimykotika in Deutschland verschreibungspflichtig ist, weshalb die Aussagekraft in Bezug auf den direkten Vergleich für die Anwendbarkeit in der Selbstmedikation gering sei. Aufgrund der hohen Heterogenität könnten zudem keine Empfehlungen zu einzelnen Stämmen oder Dosierungen und Therapieschemata getroffen werden.
Die aktuelle Leitlinie stufe die Evidenz von Probiotika zur Prophylaxe einer vulvovaginalen Candidose gering ein, und für den therapeutischen Einsatz werde keine Aussage getroffen. »Da die Leitlinie jedoch älter als 5 Jahre ist und sie sich seit August 2025 in Überarbeitung befindet, bleiben Einschätzungen einer neuen Leitlinie abzuwarten«, so das EviNews-Team.
»Dennoch kann eine Empfehlung zur Anwendung von Probiotika als Unterstützung einer antimykotischen Therapie gegeben werden, und auch im Vergleich zu Placebo scheint die Therapie mit Probiotika von Vorteil zu sein«, so das Fazit.
EviNews – Informationen zur evidenzbasierten Selbstmedikation werden vom Zentrum für Arzneimittelsicherheit an der Universität Leipzig zusammengestellt. Der Newsletter erscheint in der Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH und wird ausschließlich durch die ABDA und die Avoxa finanziert. Die kostenlose Registrierung ist unter www.evinews.de möglich. Der Newsletter erscheint einmal monatlich. Alle Ausgaben finden sich im Archiv.