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Pollenallergie

Was bei Heuschnupfen hilft

Die milden Temperaturen der vergangenen Wintermonate lassen Heuschnupfen und allergische Bindehautentzündung sehr früh in diesem Jahr zu einem wichtigen Thema in der Apotheke werden. Welche Maßnahmen und OTC-Arzneimittel können evidenzbasiert empfohlen werden?
Manfred Schubert-Zsilavecz
27.02.2020  14:00 Uhr

Die optimale Therapie einer aller­gischen Erkrankung besteht in einer vollständigen Allergenkarenz, die sich aber in den meisten Fällen nicht realisieren lässt. Ist das auslösende Allergen bekannt, kann auf die zur allergischen Reaktion führende Fehlregulation mittels einer Hyposensibilisierung Einfluss genommen werden. Dieser kausale ­Ansatz erfolgt in mehreren Sitzungen und benötigt einige Wochen Zeit.

Für den Akutfall steht in der Selbst­medikation eine breite Palette an Arzneimitteln zur antiallergischen Behandlung von Heuschnupfen und allergisch bedingter Bindehautentzündung zur Verfügung. Sie wirken überwiegend symptomatisch. Lediglich die Inhibi­toren der Mastzelldegranulation wie Cromoglicinsäure werden auch prophylaktisch eingesetzt. Sie inhibieren nicht nur eine IgE-vermittelte, sondern auch eine nicht immunologisch ausgelöste Mastzelldegranulation und werden zur Prophylaxe beziehungsweise Therapie von Symptomen allergisch bedingter Bindehautentzündungen eingesetzt.

Eine große Gruppe von Antiallergika stellen Arzneistoffe dar, die die Wirkung des bereits ausgeschütteten Histamins – also nach Degranulation der Mastzellen – am Histamin-H1-Rezeptor antagonisieren. Dabei zeigen die älteren Vertreter dieser Wirkstoffklasse (Antihistamika der ersten Generation) nicht unerhebliche unerwünschte Wirkungen im ZNS. Neben der Sedierung treten auch anticholinerge Wirkungen auf, was die Verwendung bei Engwinkelglaukom und Prostatahyperplasie ausschließt. Mit den oralen Antihist­aminika der zweiten Generation stehen seit nunmehr drei Jahrzehnten Arzneimittel zur Verfügung, die keine nennenswerte Sedierung und keine anticholinergen Effekte auslösen. Zu dieser Gruppe gehören die Arzneistoffe Aze­lastin, Fexofenadin, Levocabastin, Cetirizin, Loratadin, Mizolastin und Des­loratatin. α-Sympathomimetika wie Naphazolin und Tetryzolin werden lokal zur Schleimhautabschwellung bei unspezifischer und allergischer Konjunktivitis, Sinusitis und Nasopharyngitis eingesetzt.

Glucocorticoide zur nasalen Anwendung

Im Vordergrund der allergischen Rhinitis stehen eine behinderte Atmung, Niesen, Juckreiz und die laufende Nase (Rhinorrhö). Wegen ihrer starken antiallergischen und antientzünd­lichen Wirkung bei gleichzeitig guter Verträglichkeit haben sich Glucocorticoide auch in der Selbstmedikation bewährt. Für Erwachsene mit ärztlich diagnostizierter saisonaler Rhinitis stehen Nasensprays mit den Glucocorticoiden Beclometasondipropionat, Mometasonfuroat und Fluticasonpropionat zur Verfügung. Mometasonfuroat und Fluticasonpropionat weisen eine geringere systemische Bioverfügbarkeit auf als Beclometasondipropionat. Alle Glucocorticoide vermindern die entzündliche Reaktion der Nasenschleimhaut und reduzieren die Schleimbildung, aufgrund des molekularen Wirkmechanismus allerdings mit verzögertem Wirkeintritt.

Was heißt das nun für die Beratung? Nach nationaler und internationaler Expertenmeinung können Hist­amin-H1-Antagonisten der zweiten Genera­tion für die symptomatische Therapie von Heuschnupfen und allergisch bedingten Bindehautentzündungen empfohlen werden. Cromoglicinsäure ist ein wichtiger Arzneistoff für die

Prophylaxe und Therapie allergisch bedingter Bindehautentzündungen. Ebenfalls empfohlen werden kann der zeitlich befristete Einsatz von α-Sympathomimetika bei allergisch bedingter Bindehautentzündung und die Verwendung von Glucocorticoiden bei allergischer Rhinitis.

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