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Branche in der Krise?
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Warum gerade so viele Cannabis-Unternehmen scheitern

Auf Euphorie folgt Ernüchterung: Mehrere namhafte Cannabisunternehmen mussten in den vergangenen Wochen Insolvenz anmelden. Branchenvertreter sprechen von einer schwierigen Marktlage und erwarten weitere Firmenpleiten. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 27.10.2026  16:20 Uhr

Als die frisch gewählte Ampelkoalition im Jahr 2021 die Legalisierung von Cannabis ankündigte, jubelten nicht nur Kiffer. Da ein auf mehrere Milliarden Euro geschätzter Wirtschaftszweig aus der Illegalität geholt werden sollte, versprachen sich viele Investoren und Unternehmen große Profite. Doch bereits das 2024 in Kraft getretene Cannabisgesetz (CanG), das keinen kommerzialisierten Markt schuf und stattdessen auf Eigenanbau und Anbauvereinigungen setzte, verpasste der Euphorie einen Dämpfer.

Parallel zum CanG wurden auch die Vorschriften für medizinisches Cannabis gelockert, das jetzt nicht mehr unter das strenge Reglement des Betäubungsmittelgesetzes fällt. Auch hier versprach man sich üppige Gewinne und auch hier hat sich die Stimmung inzwischen eingetrübt – insbesondere da die Vorgaben für die Verordnung von Medizinalcannabis mit dem GKV-Spargesetz deutlich verschärft wurden. Cannabisblüten werden jetzt grundsätzlich nicht mehr von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattet. Außerdem muss ein erster Therapieversuch mit einem zugelassenen Fertigarzneimittel erfolgen.

Viele Insolvenzen

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Insolvenzen namhafter Cannabisunternehmen. Am 16. Oktober gab beispielsweise das Unternehmen Synbiotic bekannt, dass es aufgrund der schwierigen Marktlage Insolvenz anmelden werde. Die Aktie des Unternehmens fiel auf 14 Cent. Im November 2021, unmittelbar nach der Veröffentlichung des Ampel-Koalitionsvertrags, wurde das Wertpapier noch für mehr als 30 Euro gehandelt. Mit Bedrocan und der in Hürth ansässigen Apotheke Lux 99 verkündeten im Oktober zwei weitere Unternehmen ihre Zahlungsunfähigkeit.

Der »Branchenverband Cannabiswirtschaft« bestätigt auf Nachfrage der PZ, dass es in der Branche aktuell eine Häufung von Firmenpleiten gibt. Die Ursachen seien vielfältig. Bedrocan sei primär deshalb zahlungsunfähig, weil ein langjähriger Exklusivvertrag mit dem niederländischen Cannabisbüro (OMC) zu Jahresbeginn auslief. Synbiotic sei vor allem an der jahrelangen Unklarheit beim EU-Status von CBD und dem Ausbleiben des von der Ampel-Koalition angestoßenen Nutzhanfliberalisierungsgesetzes (NLG) gescheitert.

Bei der Apotheke Lux 99 seien die Streichung von Cannabisblüten aus der Erstattungsfähigkeit und weitere diskutierte Gesetzesverschärfungen für die Pleite verantwortlich. »Hinzu kommt, dass der Wettbewerb zugenommen hat, sodass sinkende Preise zu sinkenden Margen führten. In diesem Medizinalcannabisbereich dürfte es zu weiteren Konsolidierungen insbesondere durch Insolvenzen und Firmenfusionen kommen«, erklärt der Geschäftsführer des Verbands, Michael Greif.

Forderungen an die Regierung

Angesichts der schwierigen Marktentwicklung hat der Branchenverband konkrete Forderungen an die Bundesregierung. So müsste das NLG verabschiedet werden, damit die Landwirtschaft, die weiterverarbeitenden Unternehmen und der Handel rechtssicher arbeiten können. Für CBD-Produkte wünscht man sich schnelle und praxistaugliche Zulassungsverfahren auf EU- und Bundesebene.

Der Verband fordert außerdem die Rückkehr zur regulären Erstattungsfähigkeit von Cannabisblüten. Auch eine Verordnung von Medizinalcannabis per Telemedizin müsse möglich bleiben. In anderen Bereichen will man strengere Vorgaben: »Um die verantwortungsvoll und rechtskonform handelnden Firmen zu stärken und besser gegen schwarze Schafe vorgehen zu können, sollten alle in Deutschland aktiven Firmen beispielsweise einen inländischen Zustellbevollmächtigten benennen müssen und die behördlichen Kontrollen zu Regelverstößen verstärkt werden«, so Michael Greif.

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