»Natürlich ist es in emotional belasteten Berufen häufig wichtig, Empathie zu zeigen, also mit anderen mitzufühlen«, sagt Gregersen. Ebenso wichtig sei aber, sich abzugrenzen – also nicht mitzuleiden. Denn das ziehe einen mental nach unten. Die Folgen können etwa Erschöpfung, Lustlosigkeit oder Burn-out sein.
Um das zu verhindern, müssen Beschäftigte auch lernen, zu erkennen, wo die eigene Verantwortung endet und die des anderen beginnt. »Die Abgrenzung ist zentral, damit Erholung stattfinden kann«, sagt Wendsche. Nur so könnten Beschäftigte den nächsten Arbeitstag mit neuer Energie angehen.
Beschäftigte in einem emotional belastenden Beruf sollten nach der Arbeit möglichst einen klaren Schlussstrich unter den Joballtag ziehen. »Manchen hilft es schon, die Dienstkleidung abzulegen und Alltagskleidung anzuziehen«, sagt Gregersen. Andere Optionen: Nach der Arbeit Spazierengehen und bewusst die Natur erleben. Oder Sport treiben: Körperliche Aktivität hilft dabei, Stresshormone abzubauen.
Auch mentale Techniken können helfen. Zum Beispiel, indem man im Bus oder in der Bahn belastende Gedanken aufschreibt und sie in einem Tagebuch mit Verschluss quasi »einschließt«, wie Wendsche vorschlägt.
»Gespräche nach der Arbeit über Erlebtes im Job können Betroffene enorm entlasten«, so Wendsche. Oft sorge Reden dafür, dass sich angestaute Emotionen lösen und Gedanken sich ordnen.
Wichtig seien Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, die gut zuhören und Anteilnahme zeigen, ohne zu bewerten. »Ideal ist es, wenn der Austausch einem guttut und Unterstützung bietet«, so Wendsche. Wer sich nach solchen Gesprächen energielos fühlt, sollte besser auf andere Strategien setzen.
Auch wer zur Verschwiegenheit verpflichtet ist, kann sich austauschen. »In aller Regel ist es möglich, ein Erlebnis anonymisiert zu erzählen, also, ohne dass die Gegenseite Rückschlüsse auf eine bestimmte Person ziehen kann«, so der Psychologe.
»Wichtig ist eine offene Gesprächskultur«, sagt Gregersen. Im Team müsse es möglich sein, Belastungen offen anzusprechen, ohne sich Sätze anhören zu müssen wie »Das gehört zum Job dazu« oder »Ach, du bist eine Memme«.
Führungskräfte müssten für klare Grenzen sorgen und etwa Überstunden begrenzen. Ist ein Team unterbesetzt, sollte die Leitungsebene gemeinsam mit dem Team eine Prioritätenliste erstellen, welche Aufgaben in jedem Fall zu erledigen sind.
Zudem sollten Führungskräfte mit jedem Teammitglied regelmäßig im Austausch bleiben – idealerweise vierteljährlich. So lassen sich Stressfaktoren identifizieren sowie Arbeitsabläufe optimieren.