Außerdem rät Nuyken, eine Technik zu nutzen, die eigentlich Bestandteil der Depressionstherapie ist: Struktur vor Lust. Das bedeutet, dass man sich zum Beispiel vornimmt, morgen um 10 Uhr eine Nachricht an einen alten Bekannten zu schicken, auch wenn man sich eigentlich nicht danach fühlt.
»Das ermöglicht positive Erfahrungen«, erklärt Nuyken. Wenn man erst auf die Motivation wartet, könne sich das Problem verstärken. »Denn in der Regel kommt die nicht«, so der Psychologe.
Was bei den ersten Kontakten auch helfen kann, nennt Nuyken Koexistenz. Damit meint er Treffen, bei denen man zwar zusammen ist, aber nicht unbedingt die ganze Zeit miteinander reden muss. Eine Verabredung im Kino zum Beispiel. »Etwas gemeinsam erleben, was nicht mit tiefen Gesprächen verbunden ist.«
Wichtig ist auf jeden Fall, wieder mit anderen in Kontakt zu kommen, wie Reichhart betont. Denn Einsamkeit gilt als Risikofaktor für viele Krankheiten, nicht nur psychische. »Wir Menschen sind soziale Wesen und Beziehungen zu anderen Menschen sind unser Lebenselixier.«