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Raus aus dem Rückzug
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Wann Me-Time zum Problem wird

Ein Abend allein kann guttun – doch dauerhafter sozialer Rückzug kann psychisch und körperlich belasten. Experten erklären, wann Einsamkeit gefährlich wird und wie Betroffene soziale Kontakte wieder aktivieren können.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 12.05.2026  09:30 Uhr

Kein positives Feedback mehr

Mitunter gerät man in einen Teufelskreis: Wer sich von anderen zurückzieht, erhält auch kein positives Feedback mehr. Das könne den Rückzug weiter verstärken, wie Nuyken erklärt. »Sozialer Rückzug hängt eng mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen zusammen und ist in aller Regel ein Symptom der Krankheit.«

Bei der Depression liegt das vor allem an der typischen Antriebslosigkeit und daran, dass Betroffene kaum noch Freude empfinden. Bei der Angststörung spielt vor allem die Vermeidung eine Rolle. Aber auch als Folge eines Traumas oder im Zusammenhang mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen kann sozialer Rückzug ein Symptom sein.

Betroffene merken in der Regel zunächst gar nicht, dass sie sich zurückziehen und dass ihnen das nicht guttut. »Wichtig ist es daher, sich zu reflektieren und zum Beispiel zu überlegen: Wie zufrieden und erholt bin ich vor einem Abend alleine vor dem Fernseher und wie ist es danach?«, rät Reichhart. Das könnte man dann gedanklich vergleichen: Wie wäre das nach einem Abend mit einer Freundin oder einem Freund oder wenn ich meinem Hobby nachgehe?

Zeit für soziale Kontakte bewusst einplanen

Gerade wenn man sich schon länger zurückgezogen hat, kann es schwer sein, wieder mit anderen in Kontakt zu kommen. Steckt eine psychische Erkrankung dahinter, sollten Betroffene sich Unterstützung suchen und eine Depression etwa im Rahmen einer Therapie behandeln lassen.

Ist das nicht der Fall, rät Reichhart, sich erst mal einen Überblick über das eigene Netzwerk zu verschaffen: Wen habe ich? Mit wem möchte ich den Kontakt wieder aufnehmen? Auch gemeinsame Interessen wie zum Beispiel Sport können gute Wege sein, um Kontakte wieder aufleben zu lassen. Sie rät außerdem, Zeit für soziale Kontakte fest im Kalender einzuplanen. Sonst wird diese Zeit im stressigen Alltag meist als Erstes gestrichen.

Grundsätzlich sind kleine Schritte der Schlüssel für den Wiedereinstieg. »Statt einer Party kann man mit einem Treffen mit einer einzelnen, vertrauten Person starten oder erstmal eine Nachricht schicken«, rät Nuyken. Und statt jemanden zu sich nach Hause einzuladen, trifft man sich am besten in einem Café. So kann man besser bestimmen, wie lange das Treffen dauert – ohne jemanden vor die Tür zu setzen.

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