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Raus aus dem Rückzug
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Wann Me-Time zum Problem wird

Ein Abend allein kann guttun – doch dauerhafter sozialer Rückzug kann psychisch und körperlich belasten. Experten erklären, wann Einsamkeit gefährlich wird und wie Betroffene soziale Kontakte wieder aktivieren können.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 12.05.2026  09:30 Uhr

Ein Abend alleine auf der Couch, eine abgesagte Party, lieber alleine zu Hause bleiben, statt ins Café zu gehen: Manche Menschen ziehen sich zurück – bewusst oder unbewusst. Manchmal ist das nur eine Phase, die helfen kann, die sozialen Akkus wieder aufzuladen. Manchmal dauert diese Phase aber an und kann zum Problem für die Gesundheit werden.

Klar, in einigen Situationen braucht man etwas Zeit für sich selbst: nach einer Party oder in stressigen Lebensphasen zum Beispiel. Sich eine Zeit lang oder regelmäßig ein, zwei Abende in der Woche bewusst zurückzuziehen, um Hobbys nachzugehen oder sich auszuruhen, sei ganz normal, betont Tatjana Reichhart. Die Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist in München als Coach und Trainerin tätig.

Sie sagt: »Wenn der Rückzug selbst gewählt ist und wir die Zeit absichtsvoll für uns selbst verwenden, würden wir aber nicht von sozialem Rückzug sprechen, sondern eher von Me-Time.« Und: Diese sogenannte Me-Time gibt Energie und hilft, die Batterien wieder aufzuladen.

Abhängen bringt keine Energie zurück

Problematisch wird es, wenn man abends nach der Arbeit regelmäßig so erschöpft ist, dass man weder Kapazitäten für Hobbys noch Treffen mit Freunden hat und völlig erledigt vor dem Fernseher hängt, beschreibt Reichhart. »Das ist keine qualitativ hochwertig genutzte Zeit und die bringt in der Regel auch nicht die Energie zurück.«

Aber nicht nur das macht sozialen Rückzug problematisch. Es geht auch darum, was man damit erreichen möchte. »Sozialer Rückzug kann auch eine Vermeidungsstrategie sein, mit der man negativen Gefühlen aus dem Weg gehen will«, erklärt der Psychologe Klaus Nuyken.

Wer aus Angst vor der Bewertung durch andere (»Die finden mich bestimmt doof«) ein Treffen absagt, verhält sich dysfunktional. Kurzfristig sinkt zwar die Angst durch das Vermeidungsverhalten. Langfristig wird sie aber verstärkt und damit aufrechterhalten und verschlimmert sich sogar, was zu einer weiteren Einschränkung der Lebensqualität führt.

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