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Schlafentzug
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Wann das Gehirn auf müde umschaltet

Einen langen Tag gehabt oder sogar die Nacht durchgemacht? Irgendwann wird das Bedürfnis nach Schlaf so stark, dass die Augen zufallen. Welche Mechanismen darüber entscheiden, dass der Mensch müde wird, hat ein Forschungsteam der Universität Basel herausgefunden.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 04.09.2026  07:00 Uhr

Schlaf ist für den Menschen unverzichtbar und so entscheidend für sein Überleben, dass sich der Körper nicht auf seine reine Vernunft verlässt, um sich regelmäßig nächtlich zu erholen. Nach einer langen Wachphase übermannt ihn die Müdigkeit – das Zeichen dafür, dass Erholung nötig ist. Wie das Gehirn entscheidet, wann es Zeit ist, die Ruhestätte aufzusuchen und den Schlafdruck zu erhöhen, hat das Team um Professor Dr. Alex Schier aus Basel gemeinsam mit Forschenden des Beth Israel Deaconess Medical Center und der Auburn University bei Mäusen untersucht. Dabei haben sie Nervenzellpopulationen identifiziert, die längere Wachphasen registrieren und den Schlaf aktiv fördern.

Um herauszufinden, welche Gehirnregionen an der Regulation von Schlafen und Wachen beteiligt sind, verglichen sie die Gehirnaktivität während normaler Schlaf-Wach-Zyklen mit der Aktivität nach Schlafentzug sowie während des anschließenden Erholungsschlafs. Dabei identifizierten sie Hirnregionen, deren Aktivität die Dauer des Wachseins widerspiegelt. In einer der Regionen fanden sie zudem zwei verschiedene Nervenzellpopulationen, die zum Schlafdruck beitragen, und zwar GABAerge und serotonerge Neuronen im Hirnstamm. Die Aktivität beider Nervenzellarten steigerte sich mit zunehmender Wachdauer und nahm nach dem Einschlafen wieder ab.

Schlafverhalten gezielt verändern

Im weiteren Schritt wollten die Forschenden herausfinden, ob die beiden Nervenzellpopulationen den Schlafdruck selbst erzeugen oder ihn lediglich widerspiegeln. Aktivierten sie beide Nervenzelltypen gemeinsam, schliefen die Mäuse länger und tiefer und zeigten eine Art Erholungsschlaf, der typischerweise nach längeren Wachphasen folgt. Hemmten sie die beiden Zelltypen, schliefen die Tiere deutlich weniger, und sie blieben länger wach und aufmerksam.

Die im Fachjournal »Nature« veröffentlichte Untersuchung liefert laut den Forschenden den bislang deutlichsten Nachweis, dass die gefundenen Nervenzellpopulationen den Schlafdruck steigern und nicht nur auf Wachheit reagieren. Mit weiteren Experimenten zeigten sie darüber hinaus, dass die langfristige Hemmung der spezifischen Nervenzellen das Schlafbedürfnis deutlich verringerte, ohne dass die Tiere erhebliche Verhaltensstörungen zeigten, die normalerweise mit Schlafentzug einhergehen. Demnach bestimmen diese Nervenzellen nicht nur die Länge des Schlafs, sondern auch die Stärke des Schlafbedürfnisses.

Die Ergebnisse könnten neue Möglichkeiten für die Schlafforschung eröffnen. Da es nun möglich sei, das Schlafverhalten gezielt zu verändern, könnte man untersuchen, wie sich Organismen an Schlafmangel anpassen, so die Forschenden. Das könnte Wege aufzeigen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schlafentzug und anderen physiologischen Belastungen zu verbessern.

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