Pharmazeutische Zeitung online
Betrug mit Corona-Tests

Vorschlag für anderes Bezahlungsmodell

Mit Eintrittsregeln wie 3G und 2G-plus für Geschäfte und Restaurants sind die Bürgertests wieder gefragt. Doch manche Anbieter treiben Schindluder damit. Das ließe sich vermeiden, wenn es nur für positive Tests Geld gibt, meinen Forscher.
dpa
17.12.2021  10:30 Uhr
Vorschlag für anderes Bezahlungsmodell

Um Betrug mit Corona-Tests zu verhindern und die Qualität solcher Tests zu erhöhen, empfehlen Forscher ein anderes Finanzierungsmodell für die Schnelltests. Statt jeden durchgeführten Test zu bezahlen, sollte es nur für positive und mit PCR-Test bestätigte Tests Geld geben – dann aber deutlich mehr, schlagen Wirtschaftsprofessor Hanno Beck von der Hochschule Pforzheim und Kollegen vor. «Diese Finanzierung führt dazu, dass es einen starken Anreiz dafür gibt, Schnelltest mit qualifiziertem Personal sorgfältig durchzuführen, weil das Ziel nun darin besteht, Infizierte zu identifizieren – und genau darum geht es ja bei der Testpflicht.»

Die Zahl der Verfahren im Zusammenhang mit Verdacht auf Abrechnungsbetrug bei Testzentren in Baden-Württemberg liegt nach Angaben des Landeskriminalamts aktuell im oberen zweistelligen Bereich. Der bislang bekanntgewordene Gesamtschaden bewege sich im oberen einstelligen Millionenbereich. Umfassend könne er allerdings erst nach Abschluss der Ermittlungen beziffert werden. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung werden 8 Euro je Abstrich gezahlt und 3,50 Euro je Testkit. Seit Juli wurden deutschlandweit rund 100 Millionen sogenannte Bürgertests abgerechnet. In Baden-Württemberg waren es in etwa 13 Millionen.

Der Bund kommt laut Gesundheitsministerium für die Kosten etwa in Testzentren und Apotheken auf. Die Länder müssen ihre Einrichtungen wie Kitas und Schulen versorgen. Zudem sind Arbeitgeber verpflichtet, Mitarbeitenden mindestens zwei Tests wöchentlich anzubieten. «Leider bietet das gegenwärtige Finanzierungsmodell Anreize, billiges Personal einzusetzen und die Zahl der Tests zu maximieren, wenn nicht sogar nur vorzutäuschen», schreiben die Wissenschaftler Beck, Aloys Prinz und Elmar Wolfstetter in ihrem Vorschlag. «Wenn jeder Test bezahlt wird, ergibt sich daraus der Anreiz, statt auf Qualität auf Quantität zu setzen und die Einnahmen zu maximieren.»

Mehr von Avoxa