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70 Jahre Hevert Arzneimittel
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Vom Feld zur Arznei – in 200 Meter Luftlinie 

Die traditionelle Naturheilkunde mit der Schulmedizin zu verbinden und die Präparate technologisch auf höchstem Niveau aufzubereiten: Dafür steht seit bereits 70 Jahren Hevert Arzneimittel. Das mittelständische Familienunternehmen gehört heute zu den führenden deutschen Herstellern von homöopathischen und pflanzlichen Arzneimitteln sowie von Vitalstoffpräparaten.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 04.05.2026  07:00 Uhr

Bad Wörishofen hatte Pfarrer Kneipp, Bad Sobernheim Pastor Emanuel Felke: Der Erfinder der Komplexhomöopathie und Prediger einer natürlichen Lebensweise mit Nutzung von Naturheilmitteln wie Licht, Luft, Wasser und Lehm hat Apotheker Emil Hevert begeistert. So sehr, dass er seinen Vertriebsleiterposten bei der Arzneimittelfirma Mauch-Göppingen kündigte und sich 1956 entschloss, an der Wirkstätte Felkes im rheinland-pfälzischen Sobernheim gemeinsam mit seiner Frau Dorothea ein eigenes pharmazeutisches Unternehmen aufzubauen. Viele der Rezepturen des damaligen Sortiments homöopathischer und phytotherapeutischer Präparate stammten von ehemaligen Schülern des Pastors (»Felke-Komplexmittel«) und sind in abgewandelter Zusammensetzung noch heute Teil der Hevert-Produktpalette.

Die Gründeridee, mehr »ganzheitliche Medizin durch Nutzung naturheilkundlicher Verfahren« auf denMarkt zu bringen, überzeugte von Anfang an. Seitdem befindet sich das heute in dritter Generation geführte Familienunternehmen auf Wachstumskurs und kann dieses Jahr seinen 70. Geburtstag feiern. Mit seinen derzeit mehr als 100 homöopathischen Komplexmitteln, pflanzlichen Arzneimitteln und Vitalstoffpräparaten deckt Hevert nahezu alle naturheilkundlich relevanten Therapiebereiche ab. Schwerpunkte liegen im Bereich Psyche/Schlaf, Erkältung und Vitaminmangel.

Verwaltung und Produktion befinden sich nach wie vor in Bad Sobernheim und der Nachbargemeinde Nussbaum im Nahetal. Von dort geht der Großteil der Hevert-Präparate vom Band – im vergangenen Jahr waren es mehr als zweieinhalb Millionen. Geliefert wird neben Deutschland in acht Länder weltweit, ins europäische Ausland, nach Nord- und Südamerika sowie Asien. Derzeit sind 190 Mitarbeitende bei Hevert beschäftigt.

Das Bekenntnis zum Produktionsstandort Deutschland bekräftigte das Unternehmen erst vor gut einem Jahr. Da nahm es am Firmensitz in Nussbaum eine hochmoderne neue Verpackungslinie für Tabletten in Betrieb. Eine Investition in die Zukunft, um flexibler Verpackungsformate anpassen, nachhaltiger agieren und die Produktionskapazität steigern zu können, heißt es vonseiten Heverts. So sind im vergangenen Jahr unter anderem annähernd 400.000 Packungseinheiten Sinusitis Hevert, mehr als 220.000 Packungseinheiten Vitamin D3 Hevert 4000 IE und mehr als 220.000 Packungseinheiten Calmvalera Tabletten dort »reisefertig« gemacht und vom Band gelaufen.

Von 500 auf 100 Präparate

Der Weg bis dahin war kein einfacher. Bereits ein Jahr nach der Firmengründung starb Emil Hevert. Seine Ehefrau Dorothea trat an seine Stelle und holte 1972 Sohn Wolfgang an ihre Seite. Der Arzt für Naturheilkunde und promovierter Apotheker übernahm im Jahr 1990 als geschäftsführender Gesellschafter die Leitung des Unternehmens. Dr. Wolfgang Hevert drückte der Ausrichtung der Firma seinen Stempel auf und suchte zeitlebens immer wieder die Verbindung von Schulmedizin mit naturheilkundlichen Verfahren. Er war es, der das Sortiment auch mehr auf Apotheken und den wachsenden Markt der Selbstmedikation ausrichtete.

Seine Hauptanstrengung galt jedoch seit 1978 der Nachzulassung. Da sich eine große Anzahl der Hevert-Präparate auf altbewährte Rezepturen stützt und schon vor 1978 im Handel war, hatten diese Mittel nur eine fiktive Zulassung erhalten mit der Auflage, einen durch das Bundesgesundheitsamt (und später das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) kontrollierten Nachzulassungsprozess zu durchlaufen. Bis in die frühen 2000er-Jahre hinein beschäftigte die Nachzulassung das Unternehmen. Hinzu kam 2004 der Wegfall aller nicht verschreibungspflichtigen Präparate aus der Erstattung durch die gesetzlichen Krankenversicherungen. Die politischen Rahmenbedingungen führten dazu, dass Hevert sein Sortiment von 500 auf rund 100 Präparate reduzierte.

Völlig überraschend verstarb Dr. Wolfgang Hevert 2003 mit 55 Jahren. Sein ältester Sohn, Mathias Hevert, übernahm die Leitung und trieb die Internationalisierung voran. Damit führt er die Geschäfte des Familienunternehmens nun schon seit 20 Jahren. Seit 2014 bildet er mit seinem jüngeren Bruder Marcus eine Doppelspitze als geschäftsführender Gesellschafter. In der Hevert-Familienholding ist zusätzlich noch die jüngere Schwester Sarah Hevert-Ernst bei der Unternehmensführung mit an Bord.

Ressourcen schützen

»Unsere Geschichte ist geprägt von einem kontinuierlichen Qualitätsversprechen, familiärer Verantwortung und dem festen Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und ganzheitlicher Medizin«, erklärt Mathias Hevert anlässlich des Firmenjubiläums. Als wesentlichen Baustein der Hevert-Nachhaltigkeitsstrategie sieht er den Eigenanbau von benötigten Heilpflanzen. Von der Wurzel bis zur Arzneipflanze alles aus eigener Hand anbieten zu können, ermöglicht, »entlang der gesamten Wertschöpfungskette Belastungen für die Umwelt so gering wie möglich« zu halten. In Sachen Umweltschutz Vorreiter und Vorbild sein zu können, zahlte sich 2022 aus. Seitdem gilt Hevert als »klimaneutrales Unternehmen durch CO2-Ausgleich« – möglich durch effiziente Prozesse, fortlaufend schonende Nutzung der Ressourcen und Klimaschutzzertifikate.

Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren kann Hevert quasi 200 Meter Luftlinie von der Produktionshalle entfernt rund die Hälfte seines jährlichen Bedarfs an Frischpflanzen aus eigenem Anbau selbst decken. Den Rest bezieht die Firma über Auftragsanbau. Für die Herstellung seiner Präparate benötigt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 30 Frischpflanzenarten. Etwa eine Tonne davon verarbeitet es jährlich zu Urtinkturen weiter – Ausgangsmaterial für die Hevert-Präparatepalette. Für die Zukunft ist die kontinuierliche Ausweitung des Eigenanbaus und die Aufzucht exotischerer Heilpflanzen im Gewächshaus geplant.

Dazu sind die Hevert-Heilpflanzen noch biozertifiziert. »Der eigene Anbau dient nicht nur der Beschaffungssicherheit, sondern bedeutet auch Qualitätssicherung und schafft Expertise über Wachstum, Pflege und Ernte. Das garantiert ein Höchstmaß an Reinheit und Wirkstoffgehalt«, stellt Marcus Hevert klar. So sei beispielsweise die Traubensilberkerze schwer in der hohen Qualität, die für die Herstellung von Arzneimitteln benötigt wird, zu beschaffen. Deshalb habe man sich für den eigenen Anbau vor der Haustür entschieden.

Technologische Anschubhilfe

Qualitativ hochwertiges Ausgangsmaterial ist die eine Sache, die andere das Know-how zur technologischen Aufbereitung. Nur so lässt sich mitunter das Potenzial von Naturstoffen überhaupt nutzen. Paradebeispiel dafür sind die Scharfstoffe des Curcumawurzelstocks. Um sie trotz ihrer extrem schlechten Löslichkeit bioverfügbar zu machen, hat Hevert jüngst ein spezielles Dual-Coating-Verfahren entwickelt. In Curcumin Hevert Optisolv® sind die Curcuminoide so ummantelt, dass ihre Freisetzung während des Verdauungsprozesses nachweislich um mehr als das 1000-Fache ansteigt – im Vergleich zu nativen Curcuma-Extrakten.

Prozesse zu optimieren und neue wissenschaftliche Wege in der integrativen Medizin zu gehen, ist auch das Ziel der Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten »Dr. Wolfgang Hervert-Preises« durch die Hevert-Foundation. Da ist es kaum verwunderlich, dass der alle zwei Jahre verliehene Förderpreis in diesem Jahr unter dem Motto steht: »70 Jahre Hevert: Forschung für die Naturheilkunde von morgen«. Noch bis Ende Juli können Interessenten Studienprojekte einreichen.

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