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Schutzmaßnahmen

Visiere sind keine Alternative

Als Schutz gegen Corona interessieren sich offensichtlich immer mehr Leute in Deutschland für ein durchsichtiges Visier - obwohl es keine anerkannte Alternative zur Maske ist.
dpa
PZ
28.05.2020
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Nach einer Auswertung der Suchmaschine Google vom Donnerstag stieg die Anfrage »Visiere statt Masken kaufen« in den vergangenen sieben Tagen um 1300 Prozent. Die Frage »Wo sind Visiere erlaubt« stieg um 170 Prozent. Das Suchinteresse nach dem Begriff »Visier« erreichte laut Google-Angaben in diesem Monat ein Rekordhoch. Visiere - auch Face Shields genannt - werden in der Gastronomie und bei Ärzten oder Friseuren als zusätzlicher Schutz genutzt. Auch Schulen nutzen die Visiere hierzulande teilweise.

Das Visier hat im Vergleich zu einem Mund-Nase-Schutz oder eine Behelfsmaske einige Vorteile: Es ermöglicht eine weniger eingeschränkte Kommunikation ohne Beschlagen der Brille. Außerdem bedeckt es auch die Augen des Trägers als Spritzschutz, es lässt sich desinfizieren und kann unproblematischer wiederverwendet werden. Allerdings sind Visiere an den Seiten offen und halten daher das Verströmen von Aerosolen also offensichtlich nicht so gut ab wie Masken.

Laut Robert-Koch-Institut können Visiere »nach unserem Dafürhalten nicht als gleichwertige Alternative« zur Mund-Nasen-Bedeckung angesehen werden. Im Merkblatt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu Mund-Nasen-Bedeckungen (MNB) werden Visiere nicht aufgeführt. Auch die meisten Behörden erkennen sie nicht als Alternative an – allenfalls aus gesundheitlichen Gründen gelten dann Ausnahmen. Die Verwendung von Visieren anstelle von MNB werde derzeit bereits von verschiedenen Herstellern beworben, ohne dass Belege für die Äquivalenz dieser Ersatzmaßnahme vorliegen, schreibt das RKI. 

Durch das Tragen einer MNB könne gemäß BfArM die Geschwindigkeit des Atemstroms oder des Speichel-/Schleim-Tröpfchenauswurfs reduziert werden, heißt es weiter. Visiere dagegen könnten in der Regel maximal die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen. Unbenommen davon bleibe der bestimmungsgemäße Einsatz von Visieren in Verbindung mit Atemschutz insbesondere bei aerosolproduzierenden Maßnahmen in Einrichtungen des Gesundheitswesens als Teil der persönlichen Schutzausrüstung wichtig.

Ebenso bleibe es natürlich jedem Bürger frei, der aus medizinischen oder anderen triftigen Gründen keine MNB tragen kann, aber dennoch zeigen möchte, dass er die derzeit getroffenen Maßnahmen für die Bevölkerung unterstützt und dadurch einen, vielleicht auch nur minimalen, Beitrag leisten möchte, ein Visier zu tragen, so das RKI.

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