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Ceftolozan

Viele Anwendungsgebiete, kein Zusatznutzen

Neu ist nicht automatisch auch innovativ, das gilt besonders für Antibiotika. Laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist das neue Antibiotikum Ceftolozan (Zerbaxa®) kein Schritt nach vorn.
Annette Rößler
02.07.2020  09:26 Uhr

Das IQWiG hatte die Fixkombination aus dem neuen Cephalosporin Ceftolozan und dem alten β-Lactamase-Hemmer Tazobactam im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung zu beurteilen. Zerbaxa darf eingesetzt werden bei Erwachsenen mit schweren Infektionen in Lunge, Harnwegen, Nierenbecken und Bauchhöhle. Jedes dieser Anwendungsgebiete wurde vom IQWiG separat bewertet. Als Vergleich sollten patientenindividuelle Antibiotika-Therapien dienen, die die jeweilige Resistenzsituation berücksichtigen.

Für einen solchen Vergleich fehlen aber aussagekräftige Studien, weil die lokale und individuelle Resistenzsituation in den Zulassungsstudien nicht ausreichend berücksichtigt wurde, teilt das IQWiG jetzt mit. »In der Gesamtschau zeigen sich auf Basis der vorliegenden Daten daher keine Belege für Vor- oder Nachteile von Ceftolozan/Tazobactam«, lautet das Urteil.

Auch aus In-vitro-Daten lasse sich kein Vorteil für das neue Präparat ableiten. Dies sei prinzipiell möglich, falls ein neues Antibiotikum eine hohe Wirksamkeit zeige, während die im Anwendungsgebiet bisher verfügbaren Wirkstoffe nahezu unwirksam seien. Die eingereichten In-vitro-Daten zu Zerbaxa seien aber unvollständig, weil gar nicht alle verfügbaren Wirkstoffe untersucht wurden. Aus den vorhandenen Daten sei zudem ersichtlich, dass mehrere getestete Wirkstoffe bei den untersuchten Erregern wirksam seien, sodass Ceftolozan/Tazobactam nur eine von mehreren möglichen Behandlungsoptionen darstelle.

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