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Covid-19-Impfstoffe

Verzögerte Lokalreaktionen möglich

Mit jedem Tag, den die Covid-19-Impfkampagne läuft, wächst die Datenbasis zur Sicherheit der Impfstoffe. Nach wie vor entspricht das Sicherheitsprofil den Erwartungen. Neu sind allerdings Berichte zu verzögerten Lokalreaktionen wie Urtikaria.
Annette Rößler
05.02.2021  17:01 Uhr

In der neuesten Ausgabe seines wöchentlichen Sicherheitsberichts berücksichtigt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) den Zeitraum 27. Dezember 2020 (Beginn der Impfkampagne in Deutschland) bis 31. Januar 2021. In dieser Zeit gab es bei insgesamt 2,47 Millionen Covid-19-Schutzimpfungen (2,43 Millionen Comirnaty® und 35.152 mit »Covid-19-Impfstoff Moderna«) 2846 gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. 2717 Fälle betrafen dabei Comirnaty (Melderate 1,12 pro 1000 Impfungen), 80 den Moderna-Impfstoff (Melderate 2,28 pro 1000 Impfungen) und in 49 Fällen wurde der Impfstoff nicht spezifiziert.

»Die Meldungen stehen im Einklang mit den Informationen in den Fach- und Gebrauchsinformationen und den internationalen Daten der Spontanerfassung von Verdachtsfällen von Nebenwirkungen nach Comirnaty und Covid-19- Impfstoff Moderna«, schreibt das PEI. Bei Comirnaty heißt das: vor allem vorübergehende Lokal- und Allgemeinreaktionen. Bei der Moderna-Vakzine lässt sich noch nichts Belastbares sagen, weil es erst so wenige Meldungen sind. Insgesamt wiesen weder die eigenen noch die internationalen Daten auf ein neues Risikosignal hin, so das PEI – beruhigend angesichts mehrerer Millionen Dosen der beiden Impfstoffe, die mittlerweile in der EU verimpft wurden.

Im Folgenden geht das PEI vor allem auf die gemeldeten schwerwiegenden Reaktionen sehr detailliert ein. Hiervon gab es bislang insgesamt 349. Kein Todesfall wurde in kausalen Zusammenhang mit der Impfung gebracht, anaphylaktische Reaktionen sind weiterhin sehr selten und bei den Einzelfällen einer Fazialisparese (Gesichtslähmung) ist es fraglich, ob die Impfung der Auslöser ist.

Nicht schwerwiegend, aber bemerkenswert ist eine Nebenwirkung, von der in dem Bericht erstmals die Rede ist: verzögerte lokale Reaktionen. Hierzu gehören etwa Hautreaktionen wie eine Urtikaria ausgehend von der Impfstelle, die erst mehrere Tage nach der Impfung auftreten. Sie seien sowohl zu Comirnaty als auch zur Moderna-Vakzine gemeldet worden, so das PEI.

In der Phase-III-Studie von Moderna seien verzögerte Lokalreaktionen mit Rötung, Verhärtung, und Spannungsgefühl ab Tag 8 nach der Impfung bei 0,8 Prozent der Teilnehmer nach der ersten Impfung und bei 0,2 Prozent nach der zweiten Impfung aufgetreten und hätten etwa vier bis fünf Tage angehalten. Die bisherige Melderate deute nicht auf eine erhöhte Häufigkeit hin. Als Pathomechanismus könnten sowohl eine Typ-III-allergische Reaktion bei Entwicklung von Antikörpern gegen das Präfusions-Spikeprotein als auch eine T-Zell-vermittelte Typ-IV-Reaktion diskutiert werden.

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