Der Großhandel hat sich ebenfalls zu der Einigung des EU-Parlaments geäußert. Der Vorsitzende des Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) Marcus Freitag appelliert vor dem anstehenden Trilog an die Bundesregierung: »Wir wollen, dass der Critical Medicines Act zum Erfolg wird. Das gelingt aber nur, wenn alle systemrelevanten Akteure angemessen eingebunden werden. Der vollversorgende pharmazeutische Großhandel spielt dabei eine zentrale Rolle.«
Freitag machte deutlich: Eine verlässliche Versorgung mit kritischen Arzneimitteln hänge nicht allein von der Produktion ab. »Mindestens ebenso entscheidend sind stabile, leistungsfähige und gut koordinierte Distributions- und Lieferketten. Genau hier leistet der pharmazeutische Großhandel einen unverzichtbaren Beitrag.«
Aus Sicht des Phagro müsse sich die Bundesregierung im Trilog insbesondere für drei Punkte einsetzen: die klare Anerkennung des vollversorgenden pharmazeutischen Großhandels als kritische Infrastruktur, die Schaffung eines europäischen Rahmens für strategische Arzneimittelvorräte sowie die stärkere Berücksichtigung von Lager- und Distributionsstrukturen als Schlüssel zur Versorgungssicherheit.
Der vollversorgende pharmazeutische Großhandel sei ein unverzichtbarer Bestandteil der kritischen Gesundheitsinfrastruktur. Die klare Anerkennung der Vollversorger als systemrelevante Großhändler im europäischen Rechtsrahmen müsse die notwendige Grundlage schaffen, um sie gezielt in Vorsorge-, Resilienz- und Krisenmaßnahmen einzubinden. Darum fordert der Verband, dass die vom Europäischen Parlament vorgeschlagene Bezeichnung des vollversorgenden Pharmagroßhandels als »systemrelevante Großhändler« (systemic wholesalers) im Trilog erhalten bleiben.
Gerade in Engpass- und Krisensituationen habe sich der vollversorgende pharmazeutische Großhandel als besonders leistungsfähig erwiesen. Eine koordinierte – und bei Bedarf auch gesteuerte – Distribution über systemrelevante Großhändler ermögliche eine faire, flächendeckende und effiziente Versorgung und verhindere, dass Lieferketten weiter fragmentiert werden. Der Verband unterstützt daher ausdrücklich die Formulierung des Europäischen Parlaments, wonach nationale Behörden und EU-Katastrophenschutzstellen in Gesundheitskrisen eng mit systemrelevanten Großhändlern zusammenarbeiten sollen, um eine gerechte Verteilung kritischer Arzneimittel sicherzustellen.
Um die Versorgungssicherheit nachhaltig zu stärken, sollte der Critical Medicines Act nicht allein auf Produktionskapazitäten fokussieren. Ebenso wichtig sind Investitionen in die Distributionsinfrastruktur. Lagerhaltung, Logistik und flächendeckende Verteilung sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass Arzneimittel im Ernstfall tatsächlich verfügbar sind und alle Patientinnen und Patienten erreichen. Der Phagro ordert daher, diese Aspekte ausdrücklich im CMA zu verankern.