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»Critical Medicines Act«
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»Versorgungssicherheit ist nicht zum Nulltarif zu haben«

Die Pharmaverbände reagieren positiv auf die gestrige Einigung des EU-Parlaments zum »Critical Medicines Act«. Der Pharmagroßhandel meldet sich ebenfalls zu Wort und verlangt, dass alle systemrelevanten Akteure angemessen eingebunden werden müssen.
AutorKontaktPZ
Datum 21.01.2026  15:45 Uhr

Mehr Gewicht für Qualitätskriterien statt reiner Preisfokus

Positiv bewertet der BPI mehrere Vorschläge des EU-Parlaments zur öffentlichen Auftragsvergabe und Beschaffung von Arzneimitteln, besonders begrüßt der Verband mehr Gewicht für Qualitätskriterien statt eines reinen Preisfokus sowie Mehrgewinner-Modelle, um Risiken bei Lieferunterbrechungen zu minimieren und Monopole zu vermeiden. Zudem befürwortet der Verband die Bevorzugung von Herstellern bei Ausschreibungen mit wesentlichen Produktionsanteilen in der EU.

Der BPI ruft Parlament, Rat und Kommission dazu auf, den CMA konsequent industriepolitisch auszurichten und nicht isoliert zu betrachten: »Europas Resilienz bei der Arzneimittelversorgung hängt auch von offenen, verlässlichen globalen Lieferketten ab. Faire Wettbewerbsbedingungen und internationale Partnerschaften sind dafür essenziell – nur so bleibt der Standort langfristig stark«, erklärte Joachimsen.

Wichtiges politisches Signal für resilientere Arzneimittelversorgung

Auch der Verband Pharma Deutschland begrüßt den gestern verabschiedeten Bericht zum CMA. Das EU-Parlament setze damit ein wichtiges politisches Signal für eine resilientere Arzneimittelversorgung in Europa und stärke insbesondere den Ansatz, öffentliche Beschaffung stärker an Versorgungssicherheit, Produktionsstandorten und resilienten Lieferketten auszurichten.

»Das Europäische Parlament erkennt an, dass Versorgungssicherheit nicht zum Nulltarif zu haben ist«, erklärte Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. »Die klare Betonung von Vergabekriterien jenseits des reinen Preises ist ein entscheidender Schritt, um Investitionen in europäische Produktionskapazitäten und robuste Lieferketten tatsächlich wirksam zu machen.«

Besonders positiv bewertet Pharma Deutschland, dass der Parlamentsbericht eine verbindlichere Anwendung des MEAT-Prinzips («Most Economically Advantageous Tender«) vorsieht. Öffentliche Auftraggeber sollen demnach neben dem Preis auch qualitative Kriterien berücksichtigen, etwa Versorgungssicherheit, Lieferkettenresilienz und Diversifizierung der Bezugsquellen.

Damit hebe sich das EU-Parlament deutlich von der bisherigen Position der Mitgliedstaaten ab, die auf eine Abschwächung verbindlicher Vergabekriterien hinausläuft. Aus Sicht von Pharma Deutschland greift dieser Ansatz zu kurz. »Wer europäische Produktion und Resilienz fordert, muss diese auch vergütungs- und vergabeseitig absichern«, so Brakmann. »Dauerhaft zu niedrige Preise untergraben genau jene Investitionen, die der Critical Medicines Act eigentlich fördern soll.«

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