| Paulina Kamm |
| 03.09.2026 11:30 Uhr |
Das McGill Drugstore Museum war mal ein Lost Place. Heute wird es als Museum genutzt und versetzt einen in die 50er-Jahre zurück. / © Travel Nevada
Es tropft von der Decke, der Boden knarzt, Gänsehaut – »Lost Places« zu besuchen, ist für viele Nervenkitzel pur und fasziniert Menschen auf der ganzen Welt. In Foren wie Atlas Obscura, lostplace.club oder in eigenen privaten Blogs tauschen sich Fans über Zugänglichkeit, Vorsichtsmaßnahmen und die Geschichte hinter den Orten aus. Die genauen Koordinaten geben sie aber nur selten preis, da man Vandalismus vorbeugen möchte.
Viele der verlassenen Apotheken sind an Kliniken, Alten- oder Pflegeheime gekoppelt – so auch die Seniorenresidenz »Falkenhorst« bei Nieder-Ohmen in Hessen, über die auch die Zeitung »Alsfelder Allgemeine« mehrfach berichtete. 2018 bezeichnete sie die Residenz zum Beispiel als »Millionengrab«. Ehemalige Käuferinnen und Käufer zahlen seither wertlose Wohnungen ab.
Laut der Zeitung wollte ein Investor innerhalb von 18 Monaten 200 Seniorinnen- und Seniorenwohnungen, ein Alten- und Pflegeheim, ein Hotel, ein Restaurant, ein Café, einen Friseursalon, einen Lebensmittelladen, eine Apotheke, eine Arztpraxis und eine große Bäder- und Massageabteilung für insgesamt 40 Millionen Euro bauen – so zumindest der Plan. Doch 1997 begann die Pechsträhne: Der Investor der Kurklinik sprang ab. 2001 ließ sich eine Insolvenz nur noch mit Mühe abwenden, wozu es dann 2003 dennoch kam.
Schuld aus Sicht des Investors seien die Banken und das Finanzamt gewesen. Die Baustelle blieb im unfertigen Zustand zurück – so auch die geplante Apotheke. Eine leere und marode Holzverkleidung einer Offizin steht noch da – bestückt, geschweige denn zum Einsatz gekommen, ist sie nie.
Das Geld ging aus, und zurück bleibt eine unfertige Baustelle. Die Offizin ist mit Holz verkleidet, darauf prangen mittlerweile Graffiti. / © Jutta Schütt-Frank
Ein ähnliches Schicksal ereilte das »Dionysos Authentic Resort & Village« auf der griechischen Insel Kreta. Auch dort sollte laut Lost Place Map eine Wohnsiedlung entstehen – dieses Mal gepaart mit einer Hotelanlage. Aus dem Urlaubsparadies ist nichts geworden. Heute ist die 1997 geplante Ferienanlage auf einem Grundstück von 687.000 m² auch als Geisterstadt bekannt. Uneinigkeiten der Projektmanagerinnen und Projektmanager und Umweltprobleme, wie zum Beispiel der vermüllte Analouka Beach, führten zu dem Zustand, in dem die Geisterstadt heute ist.
Die Apotheke in der Geisterstadt »Dionysus Greek Village« wirkte von außen fast intakt. / © © 2018 EDDY
Gänzlich verlassen sei der Ort allerdings nicht, heißt es. Demnach leben in den heruntergekommenen Wohnungen noch um die 20 Menschen. Die bereits umgesetzten Geschäfte, Cafés und Restaurants – so auch die Apotheke – bleiben heute allerdings geschlossen.