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Chronisch krank
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Verhütung und Kinderwunsch

Verhütung und Familienplanung sind für viele Männer und vor allem Frauen mit chronischen Erkrankungen ein besonders wichtiges Thema. Sie sorgen sich um ihre Fertilität, die geeignete Verhütungsmethode und die Medikation rund um Konzeption und Schwangerschaft: viel Beratungsstoff für die Apotheke.
AutorKontaktKatharina Holl
Datum 22.08.2021  00:00 Uhr

MS-Medikation in der Schwangerschaft

Frauen mit Multipler Sklerose (MS) sind in ihrer Fruchtbarkeit nicht beeinträchtigt. Eine Schwangerschaft wirkt sich für deren Dauer oft sogar positiv auf die Schubrate aus (18). Einige MS-Therapeutika sind jedoch während der Schwangerschaft ungeeignet, sodass ein Pausieren beziehungsweise, falls dies aufgrund einer hohen Krankheitsaktivität nicht vertretbar ist, vorab eine Umstellung erfolgen sollte. Dies gilt für die häufig eingesetzten Beta-Interferone, Glatirameracetat sowie Dimethylfumarat.

Sphingosin-1-Rezeptor-Modulatoren wie Fingolimod erhöhen das Fehlbildungsrisiko, sind in der Schwangerschaft daher kontraindiziert und sollten etwa drei Monate vor geplantem Eintritt der Schwangerschaft abgesetzt werden. Für therapeutisch wirksame Antikörper wie Rituximab (off Label) und Ocrelizumab sowie Mitoxantron beträgt dieser Zeitraum vier Monate. Bei hoher Krankheitsaktivität kann die Therapie mit Interferonen, Glatirameracetat und in Einzelfällen auch mit Natalizumab fortgeführt werden (19).

Männer sollten unter Behandlung mit Teriflunomid, Cladribin und Mitoxantron aufgrund der Teratogenität sowie bis zu sechs Monate danach kein Kind zeugen. Cladribin und Mitoxantron beeinflussen darüber hinaus die Spermatogenese; daher sollten Patienten mit Kinderwunsch vor Beginn der Therapie gegebenenfalls die Möglichkeit der Kryokonservierung nutzen (19).

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