| Annette Rößler |
| 10.07.2026 15:20 Uhr |
Schließlich testeten die Forschenden den Ansatz auch im Menschen. 74 gesunde Freiwillige wurden in drei Gruppen randomisiert: Sie erhielten entweder sieben Tage lang Natriumvalproat 100 mg täglich, Natriumvalproat 100 mg alle zwei Tage oder Placebo. In einer Pressemitteilung der Universität Cambridge heißt es, diese Dosierungen entsprächen 10 beziehungsweise 5 Prozent der üblichen Dosierung als Antikonvulsivum. Alle Probanden wurden mit einem saisonalen Grippeimpfstoff geimpft.
Verglichen mit der Placebogruppe wiesen mit Valproinsäure behandelte Teilnehmende anschließend doppelt so viele Influenza-spezifische Antikörper und zehnmal so viele T-Zell-Antworten auf. Auch die Breite der Antikörperantworten war größer, sodass sie wahrscheinlich vor anderen Virusvarianten besser geschützt wären.
Nebenwirkungen wie Übelkeit, Gewichtszunahme oder Kopfschmerzen, die Valproinsäure in höherer Dosierung häufig hat, traten in der Studie nicht auf. Ein wichtiger Sicherheitsaspekt des Wirkstoffs, sein teratogenes Potenzial, könnte bei der niedrigen Dosierung und der kurzen Anwendungsdauer zudem weniger zum Tragen kommen als beim Einsatz als Antikonvulsivum.
Ohnehin haben die Forschenden eher eine Anwendung bei Menschen jenseits des reproduktiven Alters im Blick. Weil das Immunsystem im Alter auf Impfungen bekanntlich schwächer reagiert als in der Jugend, brauchen insbesondere ältere Menschen einen Impfbooster. Klinische Studien mit älteren Probanden sollen sich nun zügig anschließen.