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Drug Repurposing
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Valproinsäure verzehnfacht den Impfeffekt

Das Antikonvulsivum Valproinsäure könnte eine neue Karriere als Booster für Impfungen starten. Forschende der englischen Eliteuni Cambridge konnten zeigen, dass Valproinsäure den Impfeffekt drastisch verstärkt – und das schon in sehr geringen Dosen.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 10.07.2026  15:20 Uhr

Wenn Forschende nach neuen Anwendungsgebieten für etablierte Arzneistoffe suchen, nennt man das Drug Repurposing. Der große Vorteil besteht darin, dass die Sicherheitsprofile der »alten Schätzchen« gut bekannt sind, sodass für eine neue Indikation »nur« noch die Wirksamkeit gezeigt werden muss – wobei sich auch hierfür ein Sponsor finden muss, der diese Investition in einen in aller Regel nicht mehr patentgeschützten Wirkstoff zu tätigen bereit ist.

Als aussichtsreichen Kandidaten für ein Drug Repurposing haben Forschende um Dr. John M. Sowerby und Dr. Prasanti Kotagiri von der University of Cambridge in England nun die Valproinsäure ausgemacht. Das potenzielle neue Einsatzgebiet für den als Antikonvulsivum und Zweitlinientherapeutikum bei bipolarer Störung bekannten Arzneistoff lautet: Verstärkung der Immunantwort auf Impfungen. Das Fachjournal »Nature Communications« veröffentlichte die Ergebnisse der Gruppe vorab als nicht redigiertes Manuskript, um sie möglichst rasch öffentlich zugänglich zu machen.

Normale T-Zellen werden zu T-Gedächtniszellen

Das Team testete zunächst mehr als 30.000 verschiedene Arzneistoffe und Chemikalien auf ihr Potenzial, gewöhnliche T-Lymphozyten in T-Gedächtniszellen umzuwandeln. Einen Treffer landeten sie bei Hemmstoffen von Histondeacetylasen (HDAC). Diese Enzyme, die Histone im Zellkern modifizieren, spielen eine zentrale Rolle in der epigenetischen Genregulation. Valproinsäure, die unter anderem als HDAC-Inhibitor wirkt, erwies sich dabei als besonders potent: In der Zellkultur regte Valproinsäure bereits in sehr niedrigen Dosen das Gedächtnisprogramm von T-Zellen an.

Für einen ersten In-vivo-Test behandelten die Forschenden Mäuse mit Valproinsäure und impften die Tiere gegen Grippe und/oder Covid-19. Verglichen mit unbehandelten Mäusen fiel die Immunantwort der behandelten Tiere daraufhin stärker aus.

Nur ein Zehntel der üblichen Dosis

Schließlich testeten die Forschenden den Ansatz auch im Menschen. 74 gesunde Freiwillige wurden in drei Gruppen randomisiert: Sie erhielten entweder sieben Tage lang Natriumvalproat 100 mg täglich, Natriumvalproat 100 mg alle zwei Tage oder Placebo. In einer Pressemitteilung der Universität Cambridge heißt es, diese Dosierungen entsprächen 10 beziehungsweise 5 Prozent der üblichen Dosierung als Antikonvulsivum. Alle Probanden wurden mit einem saisonalen Grippeimpfstoff geimpft.

Verglichen mit der Placebogruppe wiesen mit Valproinsäure behandelte Teilnehmende anschließend doppelt so viele Influenza-spezifische Antikörper und zehnmal so viele T-Zell-Antworten auf. Auch die Breite der Antikörperantworten war größer, sodass sie wahrscheinlich vor anderen Virusvarianten besser geschützt wären.

Nebenwirkungen wie Übelkeit, Gewichtszunahme oder Kopfschmerzen, die Valproinsäure in höherer Dosierung häufig hat, traten in der Studie nicht auf. Ein wichtiger Sicherheitsaspekt des Wirkstoffs, sein teratogenes Potenzial, könnte bei der niedrigen Dosierung und der kurzen Anwendungsdauer zudem weniger zum Tragen kommen als beim Einsatz als Antikonvulsivum.

Ohnehin haben die Forschenden eher eine Anwendung bei Menschen jenseits des reproduktiven Alters im Blick. Weil das Immunsystem im Alter auf Impfungen bekanntlich schwächer reagiert als in der Jugend, brauchen insbesondere ältere Menschen einen Impfbooster. Klinische Studien mit älteren Probanden sollen sich nun zügig anschließen.

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