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mRNA-Impfstoffe

US-Impfempfehlung für junge Männer bleibt trotz Myokarditis

Am Mittwoch gab die US-Behörde CDC ein Update zu Myokarditis- und Perikarditis-Fällen nach einer Covid-19-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff. Entgegen anders lautender Medienberichte bestätigte sie einen Kausalzusammenhang noch nicht.
Daniela Hüttemann
25.06.2021  15:00 Uhr

Zuallererst betonte die Behörde, dass die Covid-19-Impfstoffe sicher und wirksam seien. Die CDC empfiehlt die Impfung weiterhin allen Menschen ab zwölf Jahren so schnell wie möglich. Fälle von Myokarditis und Perikarditis (Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung) seien selten.

Bis zum 21. Juni habe es in den USA 616 gemeldete Fälle bei unter 30-Jährigen gegeben (auf alle Altersgruppen bezogen mehr als 1000), meist nach einer Impfung mit Comirnaty® von Biontech und Pfizer oder dem Moderna-Impfstoff, beides mRNA-basierte Vakzinen. Es seien vor allem männliche Jugendliche und junge Männer betroffen gewesen. Die meisten seien wieder vollständig und schnell genesen. Todesfälle seien nicht bekannt. Die Häufigkeit liege bei knapp 13 Fällen auf eine Million Impfdosen. 393 Fälle bei unter 30-Jährigen wurden genauer bewertet und die Diagnose bestätigt.

Nach dem Update der CDC ließen einige deutschsprachige Medien verlauten, dass die US-Experten einen ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung erklärt hätten. Das ist jedoch nicht korrekt. Auf der aktualisierten Website der CDC steht immer noch, die Behörde untersuche weiter, ob tatsächlich ein Kausalzusammenhang vorliege.

Widersprüchlich ist, dass die CDC selbst in einem Statement zusammen mit verschiedenen Fachgesellschaften und Heilberufsgruppen am 23. Juni von einer »Nebenwirkung« spricht: »Die Fakten sind klar: Dies ist eine extrem seltene Nebenwirkung und nur eine äußerst geringe Anzahl von Menschen wird sie nach der Impfung erleben.« Praktisch relevanter ist wohl die folgende Botschaft der Experten: »Wichtig ist, dass bei den jungen Menschen, bei denen dies der Fall ist, die meisten Fälle mild verlaufen und die Betroffenen sich oft von selbst oder mit minimaler Behandlung erholen. Darüber hinaus wissen wir, dass Myokarditis und Perikarditis bei einer Covid-19-Infektion viel häufiger auftreten und die Risiken für das Herz durch eine Covid-19-Infektion schwerwiegender sein können.«

Ähnlich hatten sich erst vor Kurzem die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das in Deutschland für die Impfstoffüberwachung zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) geäußert. Auch hierzulande und auf EU-Ebene werden alle Verdachtsmeldungen nach einer Covid-19-Impfung kontinuierlich bewertet. Bislang bleibt es bei der positiven Nutzen-Risiko-Bewertung, auch für Kinder ab zwölf und junge Erwachsene.

Nichtsdestotrotz sollten Betroffene bei diesen Symptomen einen Arzt aufsuchen:

  • Kurzatmigkeit,
  • starker, manchmal auch unregelmäßiger Herzschlag,
  • Brustschmerzen.

Nach einer Impfung (und ohnehin bei einer Infektion) sollte man seinem Körper ausreichend Ruhe gönnen und es mit dem Sport und körperlicher Anstrengung langsam angehen lassen. Das gilt nicht nur für Corona.

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