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Adipositas-Chirurgie
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Unterstützung aus der Offizin für die Nachsorge

Nach einer Verkleinerung des Magens oder einem Magenbypass stehen Patienten plötzlich vor vielen Fragen. Welche Nahrungsergänzungsmittel sind nun notwendig? Wie kann ich meine Dauermedikation sicher weiterführen? Warum vertrage ich einige Medikamente nicht mehr? Das Apothekenteam kann Rat und Sicherheit geben.
AutorKontaktSvenja Groeneveld
Datum 26.08.2025  18:00 Uhr

Die Betreuung bariatrisch operierter Patienten in der öffentlichen Apotheke ist längst keine Seltenheit mehr. Ob Schlauchmagen, Magenbypass oder andere Verfahren – diese Eingriffe stellen eine bedeutende Veränderung im Leben der Betroffenen dar. Im Zuge der starken und raschen Gewichtsabnahme können sich viele Begleiterkrankungen der Adipositas wie Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck zurückbilden. Daher sind bei diesen Patienten häufig Änderungen in der Medikation üblich und regelmäßig notwendig. Nach der stationären Versorgung, die sich meist auf zwei bis drei postoperative Tage beschränkt, kommen viele Patienten in die Apotheke ihres Vertrauens – mit Fragen, Unsicherheiten und einem hohen Beratungsbedarf.

Zu den häufigsten Verfahren der Adipositas-Chirurgie zählen die Schlauchmagenresektion (Sleeve-Gastrektomie) und der Roux-en-Y-Magenbypass. Während bei der Schlauchmagenresektion das Magenvolumen um circa 80 bis 90 Prozent reduziert wird, umgeht der Magenbypass zusätzlich zur Magenverkleinerung große Teile des Darms durch eine künstlich geschaffene Verbindung des Magens mit dem Jejunum.

Beide Verfahren resultieren in einer massiven Nahrungsrestriktion und in der Folge in dem gewünschten Effekt der raschen Gewichtsabnahme. Die anatomischen Veränderungen im Gastrointestinaltrakt führen zudem dazu, dass Vitamine, Mineralstoffe und auch Arzneimittel anders resorbiert werden als vor der Operation. Insbesondere bei Arzneiformen mit veränderter Wirkstofffreisetzung oder Wirkstoffen mit enger therapeutischer Breite ist daher besondere Vorsicht geboten.

Lebenslage Supplementation

Die Veränderungen sind vielschichtig. So müssen Patienten nach bariatrischen Operationen lebenslang bestimmte Vitamine und Spurenelemente supplementieren, da die Aufnahme aus der Nahrung nicht mehr ausreicht. Die S3-Leitlinie »Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen« liefert konkrete Dosisempfehlungen für die einzelnen Nährstoffe (Tabelle 1).

Hierzu zählen unter anderem fettlösliche Vitamine, Folsäure, Vitamin B1, Vitamin B12 und Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Eisen, Zink, Kupfer und Selen. Multikomplexpräparate sind der Compliance zuträglich; sie können vom Apothekenteam auf die Übereinstimmung mit den Leitlinienempfehlungen überprüft werden. Besonders durch die enthaltenen mehrwertigen Kationen ist weiterhin auf Wechselwirkungen mit parallel eingenommener Medikation zu achten. Hier bietet sich eine Beratung der Patienten bezüglich sinnvoller Einnahmezeiten an.

Schlauchmagen proximaler Roux-en-Y-Magenbypass Biliopankreatische Diversion mit Duodenal Switch
Protein (gesamt pro Tag) >60 g/d >60 g/d >90 g/d
Folsäure MVM-Präparat 2×/d 600 µg/d 600 µg/d
Vitamin B1 MVM-Präparat 2×/d, keine Dosis-Empfehlung MVM-Präparat 2×/d, keine Dosis-Empfehlung MVM-Präparat 2×/d, keine Dosis-Empfehlung
Vitamin B12 oral: 1000 µg/d
i.m.: 1000-3000 µg/d alle 3 bis 6 Monate
oral: 1000 µg/d
i.m.: 1000-3000 µg/d alle 3 bis 6 Monate
oral: 1000 µg/d
i.m.: 1000-3000 µg/d alle 3 bis 6 Monate
Vitamin A MVM-Präparat 2×/d MVM-Präparat 2×/d 1-2×25.000 IU/d
Vitamin D Mind. 3000 IU/d, Serumkonzentration >30 ng/ml Mind. 3000 IU/d, Serumkonzentration >30 ng/ml Mind. 3000 IU/d, Serumkonzentration >30 ng/ml
Vitamin E, K MVM-Präparat 2×/d,
keine Dosisempfehlung
MVM-Präparat 2×/d,
keine Dosisempfehlung
MVM-Präparat 2×/d,
keine Dosisempfehlung
Calcium als Citrat 1200-1500 mg/d 1200-1500 mg/d 1200-1500 mg/d
Eisen als Sulfat, Fumarat, Gluconat MVM-Präparat 2×/d 50 mg/d 2× 100 mg/d
Magnesium als Citrat 200 mg/d 200 mg/d 200 mg/d
Zink als Gluconat, Sulfat, Acetat MVM-Präparat 2×/d MVM-Präparat 2×/d 8-15 mg/d
Kupfer als Gluconat, Oxid, Sulfat
Selen als Natriumselenit
Keine Empfehlung MVM-Präparat 2x/d mit 2 mg/d Kupfer MVM-Präparat 2×/d mit 2 mg/d Kupfer
Tabelle 1: Prophylaktische Supplementierung nach Adipositas-chirurgischen bzw. metabolischen Operationen gemäß S3-Leitlinie »Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen«

Durch das verringerte Magenvolumen und die Umgehung von Darmabschnitten ist die Pharmakokinetik vieler Arzneimittel sichtlich verändert. Besonders betroffen sind Arzneiformen mit veränderter Wirkstofffreisetzung wie Retardpräparate, Matrixtabletten oder auch Mikropellets. Die Wirkung kann abgeschwächt oder unkontrollierbar sein, weshalb sich bei einer Verschlechterung von Symptomen oder Laborparametern gegebenenfalls eine Umstellung auf andere Formulierungen wie Säfte, Granulate oder gegebenenfalls sogar parenterale Anwendungen wie Depotspritzen lohnt. Die Apotheke kann Kontakt zum behandelnden Arzt aufnehmen, um verfügbare Alternativen anzubieten und auf relevante Blutspiegel und Laborwerte hinzuweisen.

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