| Sven Siebenand |
| 02.06.2026 14:00 Uhr |
Professor Dr. Frank Behrens vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main / © PZ/ Alois Müller
Auch die klinische Ausprägung, Symptomatik und Wahrnehmung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen unterscheiden sich zwischen Frauen und Männern. Als Beispiel zog Behrens die Psoriasis-Arthritis heran. So stünden bei Männern vor allem objektiv messbare strukturelle Veränderungen im Vordergrund. Sie wiesen häufiger eine ausgeprägte Schuppenflechte mit stärkerem Hautbefall auf. Auch Nagelveränderungen träten bei Männern vermehrt und in schwererer Ausprägung auf. Darüber hinaus zeige sich häufiger eine axiale Beteiligung. Insgesamt entwickelten Männer öfter Gelenkschäden – sowohl an peripheren Gelenken als auch an der Wirbelsäule.
Frauen berichteten dagegen bei objektiv gleicher Krankheitsaktivität häufiger über eine stärkere subjektive Krankheitsbelastung. Dazu gehören eine höhere Schmerzintensität, eine ausgeprägtere Fatigue sowie stärkere funktionelle Einschränkungen, die insgesamt zu einer verminderten Lebensqualität führen. Zudem treten Begleiterkrankungen wie Fibromyalgie, Depressionen und Osteoarthritis bei Frauen häufiger auf.
»Die Therapie der Psoriasis-Arthritis richtet sich heutzutage nach der klinischen Ausprägung, nicht nach dem Geschlecht«, stellte der Referent klar. Grundsätzlich, so Behrens, sprechen Männer auf sämtliche zur Verfügung stehenden Therapieprinzipien bei der Psoriasis-Arthritis besser an als Frauen.
Die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Faktoren gewinnt zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Daten zu nach Geschlecht stratifizierten Therapien würden eingefordert und auch erhoben, so Behrens. Er rechnet damit, dass man in drei bis vier Jahren erste geschlechtssensible Therapieempfehlungen abgeben kann. Eine direkte Vergleichsstudie zwischen dem JAK-Inhibitor Upadacitinib und dem TNF-α-Blocker Adalimumab hat zum Beispiel gezeigt, dass Frauen hinsichtlich des Hautansprechens bei Schuppenflechte mehr von dem JAK-Hemmer profitieren und dieses Wirkprinzip bei ihnen möglicherweise vorteilhafter ist als die TNF-α-Blockade.