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Cyclosporiasis
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Unterschätztes Risiko aus der globalisierten Frischetheke

In den USA sorgt derzeit ein ungewöhnlich großer Anstieg von Infektionen mit dem Darmparasiten Cyclospora cayetanensis für Aufmerksamkeit. Die Entwicklung offenbart eine Schwachstelle moderner Lebensmittelversorgung, die auch in Europa an Relevanz gewinnen kann.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 15.07.2026  09:00 Uhr

Warum frische Lebensmittel besonders problematisch sind

Nahezu alle größeren Ausbruchsgeschehen in nicht endemischen Ländern stehen mit Lebensmitteln oder Wasser in Verbindung. Besonders häufig betroffen waren in der Vergangenheit:

  • Blatt- und Fertigsalate,
  • frische Kräuter wie Koriander oder Basilikum,
  • Beeren, insbesondere Himbeeren,
  • Zuckererbsen und andere roh verzehrte Gemüsearten,
  • Frühlingszwiebeln und Kohl.

Alle diese Produkte werden häufig roh oder nur minimal verarbeitet gegessen. Eine Kontamination lässt sich äußerlich weder erkennen noch riechen oder schmecken.

Lange Zeit wurde Cyclosporiasis in den USA nahezu ausschließlich mit Produkten aus endemischen Regionen in Verbindung gebracht. Inzwischen wurden jedoch auch Kontaminationen heimisch angebauter Erzeugnisse nachgewiesen: 2019 fand die Aufsichtsbehörde FDA erstmals molekular bestätigte C. cayetanensis auf in den USA angebautem Koriander.

Cyclospora auch in Europa

In Europa galt Cyclosporiasis lange vor allem als importierte Reisekrankheit. Zahlreiche Fälle wurden bei Rückkehrern aus Lateinamerika, der Karibik, Süd- und Südostasien diagnostiziert. So untersuchte die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC über mehrere Jahre wiederkehrende Erkrankungscluster bei europäischen Reisenden nach Mexiko.

Doch das Bild einer ausschließlich tropischen Infektion greift zunehmend zu kurz. Eine aktuelle europäische Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass importierte Erkrankungen und Fälle ohne erkennbare Reiseanamnese inzwischen in mindestens 16 europäischen Staaten beschrieben wurden. Die Autoren stufen C. cayetanensis als einen in Europa an Bedeutung gewinnenden lebensmittelassoziierten Parasiten ein.

Europa hat außerdem bereits eigene lebensmittelbedingte Ausbrüche erlebt. 2009 wurden in Stockholm zwölf laborbestätigte und sechs wahrscheinliche Erkrankungen registriert. Als mutmaßliches Vehikel galten aus Guatemala importierte Zuckererbsen. Das Ereignis zeigt exemplarisch, dass eine vergleichsweise kleine Charge eines roh verzehrten Produkts auch außerhalb endemischer Gebiete einen klar umrissenen Ausbruch auslösen kann.

Besonders bemerkenswert ist ein 2026 publizierter Fall aus Italien: Bei einer 86-jährigen Patientin ohne entsprechende Reiseanamnese wurde erstmals eine lokal erworbene Cyclospora-Infektion molekular bestätigt und genetisch charakterisiert. Ein Einzelfall beweist noch keine dauerhafte Etablierung des Parasiten in Europa. Er widerspricht aber der Annahme, eine Infektion ohne Fernreise sei praktisch ausgeschlossen.

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