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Multiresistente Keime in Niedersachsens Flüssen

Umweltminister gibt Entwarnung

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn haben etwa 200 Wasserproben von insgesamt 80 Stellen in Niedersachsen auf antibiotikaresistente Bakterien untersucht. Ein Zwischenbericht gibt zwar Entwarnung, weist aber auch auf bisherige Erkenntnislücken hin.
20.09.2018  13:27 Uhr

Multiresistente Keime sind in Niedersachsens laut Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) kein Grund zur Sorge. «Eine akute Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung gibt es nicht», sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Donnerstag in Hannover bei der Vorstellung noch vorläufiger Ergebnisse eines landesweiten Messprogramms. 

Der auf 200 Untersuchungen an 80 Standorten basierende Zwischenbericht lasse keinen dringenden Handlungsbedarf erkennen, werfe aber ein wichtiges Schlaglicht auf ein kaum erforschtes Phänomen. In der Abfluss-Kanalisation des Osnabrücker Krankenhauses sowie auch in geringerer Konzentration im Zulauf einzelner kommunaler Kläranlagen wurden jedoch Antibiotika-Rückstände  gefunden. Eine gegen vier Antibiotika-Klassen resistente Bakterienspezies wurde zudem an zwei Stellen im Großraum Hannover in den Flüssen Leine und Innerste nachgewiesen.

Auch wenn diese Stichproben nur eine begrenzte Aussagekraft haben, wie Martin Exner von dem an der Studie beteiligten Universitätsklinikum Bonn sagte, helfen sie bei der Identifizierung der Konzentrationen im Land. «Die Frage ist: Schaukelt sich da in der Umwelt etwas auf?», sagte Exner und betonte: «Die Abwassereinleitungen als lange übersehener Bereich müssen nun intensiver betrachtet werden.»

Auf die Krankenhäuser im Lande kommen angesichts einer hohen Abwasserbelastung mit multiresistenten Keimen somit mögliche Nachrüstungen für ihre Einleitungssysteme zu. «Das wird ganz konkret diskutiert, wir arbeiten daran», sagte Exner. «Da, wo Antibiotika eingesetzt wurden, gab es auch Rückstände.» Über das Vorkommen und die Verbreitung dieser Keime sei bisher aber noch zu wenig bekannt, da es keine standardisierten, systematischen Untersuchungsverfahren gebe.

Auch Lies betonte: «Die Botschaft wird sein: Wo sind die Quellen der Resistenzen und wie können wir sie reduzieren?» Er hatte im Februar nach der Entdeckung resistenter Keime in den Gewässern des Landes bundesweite Standards gefordert. Reporter des NDR hatten zuvor Proben mit multiresistenten Erregern genommen. (dpa)

Foto: CDC/Melissa Dankel/James Gathany

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