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Erstmals bewiesen

Die Waschmaschine als Überträger Antibiotika-resistenter Keime

Über Waschmaschinen können Antibiotika-resistente Bakterien auf den Menschen übertragen werden. Das haben Experten in Bonn erstmals nachgewiesen. Für sensible Personengruppen sehen sie ein gewisses Risiko – aber keinen Grund zur Beunruhigung der Bevölkerung.
PZ/dpa
07.10.2019
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«Wir haben erstmals nachgewiesen, dass es durch eine Waschmaschine auch zur Übertragung von Antibiotika-resistenten Keimen auf den Menschen kommen kann», schildert Martin Exner, Direktor des Hygiene-Instituts IHPH am Uniklinikum Bonn. Konkret belegt haben die Forscher die Übertragung eines β-Lactamase-bildenden Klebsiella-Stamms ((CTX-M-15)-producing Klebsiella oxytoca ST201) in einem Kinderkrankenhaus bei einer handelsüblichen Waschmaschine, wie sie im Fachmagazin «Applied and Environmental Microbiology» berichten. Betroffen waren neugeborene Kinder. Die Erkenntnis gelte auch für den häuslichen Bereich und könne dort für bestimmte Personengruppen Konsequenzen haben.

Für gesunde Menschen, die eine normale Waschmaschine verwenden, habe das Ergebnis keine Folgen, sagt Studienleiterin Dr. Ricarda Schmithausen der Deutschen Presse-Agentur. Denn: «Für einen normal gesunden Menschen mit einem intakten Immunsystem besteht keine Gefahr durch resistente Erreger, selbst wenn er einen solchen Keim in seinen Schleimhäuten in sich tragen sollte.» Ein potenzielles Risiko sehen die Mediziner für empfindliche Personengruppen: abwehrgeschwächte Menschen, Schwerkranke, die chronische Wunden haben oder mit Dauerkathetern leben, Personen mit eiternden Verletzungen oder Infektionen sowie neugeborene Säuglinge.

In einer Kinderklinik war bei Routinetests mehrfach ein Bakterium bei Neugeborenen nachgewiesen worden, das zu Magen-Darm- oder Atemwegsinfektionen bis hin zu tödlicher Sepsis führen kann. Antibiotika hätten gegen den identifizierten Erreger nur eingeschränkt oder gar nicht helfen können. Zu einer Infektion kam es in der Kinderklinik zum Glück nicht. Die Bakterien habe man in Spülfach der Waschmaschine und im Türgummi gefunden, sagt Schmithausen. Die Keime waren über die schonend gewaschenen Strickmützchen und Söckchen zu den Säuglingen gekommen. Wie sie in die Maschine gelangen konnten, ist noch unklar. Denkbar ist, dass sie in der eingefüllten Wäsche steckten oder über den Bediener hineingelangen, etwa wenn dieser sie an den Händen trug.

Gesundheitsschutz geht vor Umweltschutz

Klar sei: Der Trend, aus Umweltschutz- und Energiespargründen kurz und bei niedrigen Temperaturen zu waschen, könne bei gesundheitlich sensiblen Menschen kontraproduktiv sein. Denn um Keime zu töten, brauche es mindestens 60 Grad, betont Schmithausen. Auch die Zugabe von chemischen Desinfektionsmitteln daheim könne sinnvoll sein. Der Schutz abwehrgeschwächter Menschen habe in diesem Fall Vorrang vor Umweltaspekten.

Hygieniker Dr. Christian Brandt hält die Bonner Untersuchung für einen «Meilenstein». Man habe schon lange vermutet, dass multiresistente Erreger über saubere Wäsche aus der Waschmaschine auf den Menschen übertragen werden – nun sei es tatsächlich bewiesen. «Das Ergebnis ist kein Grund zur Beunruhigung der Bevölkerung. Nur für einen sehr kleinen Personenausschnitt besteht potenziell ein gewisses Risiko», betont der Direktor des Instituts für Hygiene der Vivantes Kliniken in Berlin.

Brandt stellt klar: «Es gibt tausend Möglichkeiten, sich Zuhause mit den Bakterien seiner Mitbewohner zu kolonisieren, über die Dusche, das gemeinsame Klo, die Waschmaschine oder ein versehentlich vertauschtes Handtuch. Aber nur für eine extrem sensible Personengruppe könnte das ein Risiko bedeuten.»

Bakterien tummeln sich überall, alle Menschen sind von ihnen besiedelt. Sie gehen in Trockenheit schnell zugrunde, in Feuchtigkeit gedeihen sie prächtig. Hohe Waschtemperaturen, Wäschetrockner und Bügeleisen gelten als Bakterien-Killer. Brandt geht davon aus, dass im privaten Bereich nur in höchst seltenen Fällen eine Gefahr durch Erreger aus Waschmaschinen zu befürchten ist. Allerdings: «Leider sind viele Kleidungsstücke heute nicht mehr bei 60 Grad waschbar, ein möglicher Unsicherheitsfaktor.»

Selbst wenn man bei 60 Grad wasche, werde diese Temperatur in herkömmlichen Maschinen an Stellen wie Schublade, Pumpe oder Tür oft nicht erreicht, Erreger könnten dort eventuell überleben. In Krankenhäusern und und Pflegeeinrichtungen werde seit Jahrzehnten ein hoher Qualitätsanspruch an Waschverfahren für Kliniktextilien gelegt, schildert der Hygiene-Experte. Dort werde mit desinfizierenden Waschmitteln und hohen Temperaturen gewaschen.

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