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Mariendistel
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Molekularer Wirkmechanismus von Silymarin entschlüsselt

Auf Silymarin standardisierte Mariendistel-Extrakte werden therapeutisch als Hepatoprotektiva eingesetzt. Bislang war allerdings unklar, wie die Wirkung zustande kommt. Nun konnten Forschende aus Frankfurt am Main den Wirkmechanismus aufklären.
AutorKontaktManfred Schubert-Zsilavecz
Datum 24.06.2026  09:00 Uhr
Molekularer Wirkmechanismus von Silymarin entschlüsselt

Die Mariendistel (Silybum marianum) wird seit Jahrhunderten vor allem wegen ihrer hepatoprotektiven Eigenschaften als Heilpflanze eingesetzt. Die therapeutisch relevanten Inhaltstoffe finden sich in den Früchten, die Silymarin enthalten, ein komplexes Gemisch aus den Flavanonol-Lignanen Silybin A und B, Isosilybin A und B, Silychristin und Silydianin sowie dem Flavanonol Taxifolin.

In Deutschland stehen neben anderen Produkten zwei Legalon®-Präparate zur Verfügung, die in unterschiedlichen Indikationen eingesetzt werden: Legalon® SIL enthält 350 mg Silybin und wird zur Herstellung einer Antidot-Infusionslösung für die Anwendung bei Leberintoxikationen durch Knollenblätterpilze eingesetzt. Legalon® Kapseln enthalten einen aufgereinigten Trockenextrakt aus Mariendistelfrüchten (Silybi mariani extractum siccum raffinatum et normatum), Droge-Extrakt-Verhältnis 36 bis 44:1 (Auszugsmittel Ethylacetat), entsprechend 140 mg Silymarin pro Kapsel.

Der Extrakt wird dreimal täglich oral eingenommen und ist zugelassen zur Behandlung von toxischen Leberschäden etwa durch Alkohol oder Arzneimittel oder durch metabolische Störungen wie Diabetes mellitus, zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose.

Wie Mariendistel-Extrakte beziehungsweise wie Silymarin genau wirken, blieb bisher ungeklärt. Beschrieben wurden antientzündliche, immunmodulatorische, antioxidative, antifibrotische und weitere Effekte, die sich auf den Stoffwechsel beziehen, wobei keine definierten molekularen Targets beschrieben wurden.

Antagonist an nukleären Leber-X-Rezeptoren (LXR)

Pascal Heitel von der Goethe-Universität Frankfurt konnte nunmehr zeigen, dass Silymarin selektiv antagonistisch an nukleären Leber-X-Rezeptoren (LXR) wirkt. Er belegt dies mit Daten aus Reportergenassays. Im Versuch, diese Wirkung auf einen spezifischen Inhaltsstoff zurückzuführen, wurden alle Bestandteile von Silymarin getestet. Während Taxifolin keine Wirkung zeigte, erwiesen sich alle Flavanonol-Lignane als selektive LXR-Antagonisten mit Unterschieden in der Potenz (IC50 = 0,76 bis 15 µM) und hinsichtlich der Effektstärke (»Archiv der Pharmazie – Chemistry in Life Sciences«, DOI: 10.1002/ardp.70267).

LXR (LXRα und LXRβ) sind ligandengesteuerte Transkriptionsfaktoren, deren Aktivierung die Expression von Targetgenen stimuliert, die unter anderem den reversen Cholesteroltransport und die hepatische Triglyceridsynthese induzieren. Zur In-vitro-pharmakologischen Absicherung der LXR-antagonistischen Eigenschaften von Silymarin und dessen Komponenten wurden HepG2-Zellen mit einem LXR-Agonisten inkubiert, was eine massive zelluläre Akkumulation von Lipiden verursachte. Wurden die Zellen zusätzlich mit Silymarin oder den isolierten Flavanonol-Lignane behandelt, konnte die Lipidakkumulation um 35 bis 76 Prozent reduziert werden.

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