Phospholipide sind Hauptbestandteil aller Zellmembranen, so auch der Hepatozyten. Sind Letztere infolge einer Erkrankung geschädigt, können extern zugeführte essenzielle Phospholipide in die Membran eingebaut werden und sie regenerieren. / © Getty Images/nopparit
Leitlinien für die metabolische Dysfunktion assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) empfehlen primär eine Veränderung des Lebensstils wie eine Ernährungsumstellung und mehr körperliche Bewegung. »Ziel ist in jedem Fall eine deutliche Gewichtsabnahme und damit ein Verlust von Fetteinlagerungen, um die Progression hin zu Folgestadien wie Entzündung und Fibrose der Leber zu unterbinden«, sagte Professor Dr. Münevver Demir vom Institut für Hepatologie und Gastroenterologie an der Berliner Charité bei einer Presseveranstaltung des Pharmaunternehmens Opella. Auch bei Semaglutid, das seit Kurzem in der EU als Kayshield® bei metabolische Dysfunktion-assoziierter Steatohepatitis (MASH) zugelassen ist, sei die starke Gewichtsabnahme der eigentliche Grund für die Wirksamkeit in dieser Indikation.
Als eine sinnvolle Ergänzung während der Umstellung der Lebensstilfaktoren, vor allem in frühen Krankheitsstadien, sieht die Hepatologin die gezielte Zufuhr essenzieller Phospholipide. Als Beleg führte sie eine kürzlich im Fachjournal »Liver International« publizierte Phase-IV-Studie an, an der sie selbst mitgewirkt hat. Die von Opella unterstützte Studie untersuchte die Wirksamkeit des pflanzlichen Arzneimittels Essentiale® bei MASLD. Das Präparat enthält entölte, angereicherte Phospholipide aus Sojabohnen und ist als 300 mg und 600 mg Kapseln verfügbar. »Wir konnten eine signifikante Reduktion des Fettgehalts in Hepatozyten zeigen«, berichtete Demir.
An der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie nahmen 193 Patienten mit MASLD und typischen Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Hyperlipidämien und Adipositas teil. Sie erhielten begleitend zu ihrer Standardtherapie über sechs Monate entweder dreimal täglich zwei Kapseln 300 mg Essentiale oder Placebo. Als primärer Endpunkt war die Reduktion des Leberfettgehalts nach 24 Wochen im Vergleich zum Ausgangswert definiert.
Dieser wurde erreicht, erste statistisch signifikante Effekte zeigten sich bereits nach drei Monaten. »Das ist relevant, da die Fetteinlagerung in der Leber das Kernmerkmal der MASLD ist und die Grundlage für eine mögliche spätere Progression bietet«, sagte die Referentin. Die Verbesserungen hielten in der dreimonatigen Nachbeobachtungsphase an.
Demir zufolge profitierten die teilnehmenden Diabetiker in der Verumgruppe auch hinsichtlich der HbA1c-Werte. Sie sanken statistisch signifikant um 0,25 Prozentpunkte. »Das ist ein Hinweis, dass unter den Phospholipiden eine relevante metabolische Besserung des Zuckerstoffwechsels eintritt«, sagte die Hepatologin.