| Johanna Hauser |
| 24.09.2026 12:00 Uhr |
Auch in der Anästhesie hat der Einsatz von Ultraschallverfahren an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile seien Gefäße und Nerven direkt per Ultraschall darstellbar, erläuterte Dr. Karsten Pracht, Chefarzt der Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin an den Sana Kliniken Leipziger Land.
Dies habe die Durchführung regionalanästhesiologischer Verfahren verändert. So könnte inzwischen patientenindividuell der Verlauf von Nerven und deren Lage nachvollzogen werden, wodurch die intra- und interindividuellen anatomischen Unterschiede berücksichtigt werden könnten.
Während früher Lokalanästhetika meist in größerer Menge appliziert wurden und sich per Diffusion im zu betäubenden Gebiet verteilten, könne man heute gezielt unter Sichtkontrolle einzelne Nerven betäuben. Dies reduziere einerseits die Menge an benötigten Anästhetika, andererseits auch die Gefahr, ungewollt benachbarte Strukturen zu verletzen oder Medikamente versehentlich in ein Gefäß zu applizieren. Durch die Anwendung des Ultraschalls könne die benötigte Medikamentendosis reduziert und damit das Risiko dosisabhängiger Nebenwirkungen verringert werden, erläuterte Pracht.
Auch während und nach Operationen kommt Ultraschall zum Einsatz. Viele Eingriffe an Extremitäten und zunehmend auch in der Viszeralchirurgie können mithilfe regionaler Anästhesieverfahren ohne Vollnarkose durchgeführt werden. Kommt dennoch eine Allgemeinanästhesie zum Einsatz, lässt sich deren Tiefe durch eine ultraschallgeführte Regionalanästhesie oft reduzieren.
Darüber hinaus können ultraschallgeführte Regionalanästhesien helfen, den Bedarf an Schmerzmitteln, insbesondere an Opioiden, zu senken. Dies verhindert opioidbedingte Komplikationen und senkt die Belastung für die Patienten.