| Johanna Hauser |
| 24.09.2026 12:00 Uhr |
Ultraschall gewinnt in vielen Bereichen der Medizin an Bedeutung, da er Veränderungen im Gewebe frühzeitig und detailliert sichtbar macht. / © Getty Images/SlavkoSereda
Im Vorfeld des Dreiländertreffens der deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften vom 23. bis 26. September in Mainz gaben Fachleute Einblick in aktuelle Einsatzgebiete des Ultraschalls in der Medizin. Anlass war eine Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) vor Beginn der Veranstaltung.
Hochfrequenter Ultraschall kann kleinste und noch nicht tastbare Veränderungen sichtbar machen. Zudem lassen sich Weichteilstrukturen darstellen, die im Röntgenbild häufig nur als unscharfe Verschattung erscheinen, erklärte Professor Dr. Wolfgang Hartung, Leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Rheumatologie/Klinische Immunologie am Asklepios Fachkrankenhaus Bad Abbach.
Gerade in der Rheumatologie sei dies von besonderer Bedeutung. Während eine Therapie früher häufig erst begann, wenn Veränderungen am Knochen im Röntgenbild erkennbar waren, könnten rheumatische Erkrankungen heute mithilfe des Ultraschalls sechs bis acht Monate früher diagnostiziert und behandelt werden. Dadurch lasse sich bei mehr Patienten eine Remission erreichen, zugleich sei oft eine weniger aggressive Basistherapie erforderlich.
Daher sei der Ultraschall heute das erste bildgebende Verfahren nach der klinischen Untersuchung. Dies spiegele sich auch in Leitlinien wider, etwa in der S3-Leitlinie »Rheumatoide Arthritis«.
Nach Einschätzung Hartungs nimmt der Ultraschall in der Rheumatologie heute eine zentrale Rolle ein. 99 Prozent aller Fragen könnten mit dieser Art der Bildgebung gelöst werden. Das schließe rheumatische Gefäßentzündungen mit ein. Der Ultraschall mache Gewebeentnahmen mit nachfolgender Mikroskopie überflüssig.
Auch in der Diagnostik von Knochenbrüchen wird Ultraschall eingesetzt. Die Methode sei insbesondere in der Versorgung pädiatrischer Patienten wichtig. Nach Angaben der Experten könne die Fraktursonografie am Ober- und Unterarm Abläufe vereinfachen und Untersuchungszeiten verkürzen. Zudem werde die Untersuchung von Kindern häufig als weniger belastend empfunden als Röntgen.
Daher habe der Ultraschall Eingang in die S2e-Leitlinie »Fraktursonografie« gefunden, erklärte Hartung. Bei definierten Indikationen werde Ultraschall als dem Röntgen überlegen eingestuft.
Auch in der Anästhesie hat der Einsatz von Ultraschallverfahren an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile seien Gefäße und Nerven direkt per Ultraschall darstellbar, erläuterte Dr. Karsten Pracht, Chefarzt der Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin an den Sana Kliniken Leipziger Land.
Dies habe die Durchführung regionalanästhesiologischer Verfahren verändert. So könnte inzwischen patientenindividuell der Verlauf von Nerven und deren Lage nachvollzogen werden, wodurch die intra- und interindividuellen anatomischen Unterschiede berücksichtigt werden könnten.
Während früher Lokalanästhetika meist in größerer Menge appliziert wurden und sich per Diffusion im zu betäubenden Gebiet verteilten, könne man heute gezielt unter Sichtkontrolle einzelne Nerven betäuben. Dies reduziere einerseits die Menge an benötigten Anästhetika, andererseits auch die Gefahr, ungewollt benachbarte Strukturen zu verletzen oder Medikamente versehentlich in ein Gefäß zu applizieren. Durch die Anwendung des Ultraschalls könne die benötigte Medikamentendosis reduziert und damit das Risiko dosisabhängiger Nebenwirkungen verringert werden, erläuterte Pracht.
Auch während und nach Operationen kommt Ultraschall zum Einsatz. Viele Eingriffe an Extremitäten und zunehmend auch in der Viszeralchirurgie können mithilfe regionaler Anästhesieverfahren ohne Vollnarkose durchgeführt werden. Kommt dennoch eine Allgemeinanästhesie zum Einsatz, lässt sich deren Tiefe durch eine ultraschallgeführte Regionalanästhesie oft reduzieren.
Darüber hinaus können ultraschallgeführte Regionalanästhesien helfen, den Bedarf an Schmerzmitteln, insbesondere an Opioiden, zu senken. Dies verhindert opioidbedingte Komplikationen und senkt die Belastung für die Patienten.