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Präzisionsonkologie
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Tumor-Genomsequenzierung kann Leben retten

Eine Tumortherapie unter Kenntnis des Tumorgenoms gilt seit Jahren als Goldstandard in der modernen Onkologie. Allerdings ist dieses Prinzip noch keineswegs im klinischen Alltag angekommen. Zwei aktuelle Originalarbeiten im Wissenschaftsjournal »Nature Medicine« beleuchten den Status quo und das Potenzial einer Präzisionsonkologie.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 26.03.2026  11:00 Uhr

Wertende Betrachtung

Das begleitende Editorial von Dr. Irene Paassen und Professor Dr. Mark A. Rubin von der Universität Bern wertet die Studie als Meilenstein und zugleich als Mahnung. Der Befund, dass nur ein Bruchteil der Patienten mit genomisch nachweisbaren Veränderungen tatsächlich von einer darauf abgestimmten Therapie profitiert, unterstreiche, dass die Erhebung genomischer Daten lediglich der Startpunkt und nicht das Ziel der Präzisionsonkologie sein kann.

Die Autoren schlagen vier komplementäre Strategien vor, um die Situation zu verbessern:

  1. den Aufbau multimodaler Datensätze, die Genomik mit Transkriptomik, Epigenomik, Proteomik und Bildgebung verknüpfen;
  2. die breitere Nutzung patientenabgeleiteter Organoide und Organoid-on-a-Chip-Systeme als präklinische Avatare für individualisierten Arzneimitteltest;
  3. phänotypische Hochdurchsatz-Verfahren wie die Pharmakoskopie, die Therapieansprechen auf Einzelzellebene direkt im Tumorgewebe sichtbar machen, unabhängig von genomischen Targets;
  4. die Erweiterung populationsbasierter Biobanken um nicht-westliche Kohorten, um Vorhersagemodelle von ethnischen Biases zu befreien.

Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, die vielen unterschiedlichen Datenschichten zusammenzuführen und daraus konkrete Behandlungsempfehlungen für Patientinnen und Patienten abzuleiten.

Tumor-Gesamtgenom-Sequenzierung

In der zweiten Originalarbeit beschreiben Jeffrey van Putten und Kollegen vom Netherlands Cancer Institute und der Hartwig Medical Foundation in Amsterdam, welchen klinischen Nutzen der Tumor-Gesamtgenom-Sequenzierung (WGS) im Routinebetrieb eines onkologischen Zentrums hat.

In dieser Studie wurden Sequenzdaten von 888 Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren in den Jahren 2021 und 2022 analysiert. Bei 73 Prozent der Patienten mit bekanntem Primärtumor ließ sich mindestens ein potenziell therapierelevanter Biomarker identifizieren, darunter Marker für erstattungsfähige Therapien bei 27 Prozent und für experimentelle Behandlungen bei 63 Prozent.

Innerhalb eines Jahres erhielten 40 Prozent der Patienten eine biomarkerbasierte Erstattungstherapie und 19 Prozent eine biomarkergestützte experimentelle Therapie. Patienten, die eine biomarkerbasierte Behandlung erhielten, zeigten ein um 31 Prozent längeres medianes Gesamtüberleben (plus 96 Tage). Besonders stark war dieser Überlebensvorteil bei therapienaiven Patienten ausgeprägt, während für vorbehandelte Patienten kein signifikanter Überlebensvorteil mehr nachweisbar war. Dieser Befund spricht dafür, die Tumorsequenziertung frühzeitig vorzunehmen.

Besonders hoch warder Nutzen der Tumorsequenzierung in der Subgruppe der Personen mit Karzinomen unbekannter Primärlokalisation (CUP). Hier konnte bei 63 Prozent der 123 CUP-Patienten durch WGS eine definitive Diagnose gestellt oder wesentlich präzisiert werden. Von diesen Patienten profitierten 67 Prozent klinisch von dem WGS-Einsatz.

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