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Steigende AM-Preise in den USA

Trumps Zorn schüchtert Pharmariesen nicht mehr ein

Lange verzichteten die Pharmariesen in den USA auf Preiserhöhungen – sie fürchteten den Zorn des Präsidenten, der sich niedrigere Arzneimittelpreise auf die Fahnen geschrieben hat. Doch im neuen Jahr stehen die Zeichen nicht mehr auf Zurückhaltung.
Cornelia Dölger
03.01.2019
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Wie das »Handelsblatt« berichtet, erhöhten etliche Hersteller ihre Preise zuletzt deutlich. Angeführt vom Branchenriesen Pfizer, der noch im vergangenen Sommer aus Furcht vor Angriffen von US-Präsident Donald Trump auf eben diesen Schritt verzichtet hatte, zogen Hersteller wie Glaxo-Smith-Kline oder Allergan nach. Insgesamt hätten die Anbieter die Preise für viele ihrer Präparate um durchschnittlich 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht, zitiert das Blatt eine Studie des Softwareanbieters RX Savings Solutions.

Am stärksten trieb dem »Handelsblatt« zufolge Botoxhersteller Allergan seine Preise in die Höhe. Mehr als die Hälfte seines Portfolios kostet jetzt bis zu 10 Prozent mehr, von Alzheimer-Medikamenten bis zu Augenpräparaten. Generikahersteller Hikma schlug bei einem Blutdruckmittel satte 30 Prozent drauf. Bei Pfizer wurde bereits im November bekannt, dass der Konzern die Listenpreise von mehr als 40 Produkten erhöht. Das sind knapp 10 Prozent seines Sortiments. Glaxo-Smith-Kline zeigte sich in puncto Preiserhöhung noch am bescheidensten: Er verlangt maximal 3 Prozent mehr.

Unkontrollierter Markt

Als Ursache für die Preisschübe macht der Vorstandsvorsitzende von RX Savings Solutions, Michael Rae, einen ungezügelten Markt aus. »Das geschieht, weil es keine Kontrolle des Marktes gibt, keine Person oder Einheit, die Vernunft in die Festlegung von Medizinpreisen bringen kann«, sagte er laut »Handelsblatt« dem »Wall Street Journal«. Die Erhebung seines Unternehmens soll demnach dazu beitragen, die Medizinkosten für Mitarbeiter in Unternehmen zu senken.

Tatsächlich gilt das amerikanische Gesundheitssystem als das teuerste und komplizierteste der Welt – ein Grund, warum die jüngsten Aufschläge der Pharmaindustrie noch als moderat gelten. Laut »Handelsblatt« bewegten sich die Erhöhungen im Jahr 2015 durchschnittlich im zweistelligen Bereich. Bedeutenden Einfluss bei Preisverhandlungen haben dabei Zwischenhändler, die für die Versicherer die besten Preise mit Apotheken und Herstellern aushandeln sollen. Diese sogenannten Pharmacy Benefit Manager arbeiteten häufig für börsennotierte, gewinnorientierte Unternehmen. Versuche, das Gesundheitssystem mit seiner überbordenden Zahl an Akteuren und Interessenvertretern zu reformieren, gibt es demnach immer wieder – allerdings bislang ohne durchschlagenden Erfolg.

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