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Rote-Hand-Brief

Thrombotische Mikroangiopathien unter Zolgensma-Therapie

Weltweit haben bislang rund 800 Kinder die Gentherapie mit Onasemnogen-Abeparvovec (Zolgensma™) erhalten. Fünfmal trat eine thrombotische Mikroangiopathie als gefährliche Nebenwirkung auf. Ein Rote-Hand-Brief rät jetzt zu zusätzlichen Laboruntersuchungen. 
Daniela Hüttemann
18.03.2021  13:48 Uhr

Thrombotische Mikroangiopathien (TMA) sind eine heterogene Gruppe von Erkrankungen,  zu denen das hämolytische urämische Syndrom (HUS) sowie die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) gehören, informiert heute Novartis in einem Rote-Hand-Brief zu Zolgensma. Die Inzidenz einer thrombotischen Mikroangiopathie bei Kindern wird auf wenige Fälle pro eine Million im Jahr geschätzt. Es handelt sich um eine akute und lebensbedrohliche Erkrankung, die durch Thrombozytopenie, hämolytische Anämie und akute Nierenschädigung gekennzeichnet ist.

Seit der Zulassung der Gentherapie für die Behandlung von Kinder mit spinaler Muskelatrophie traten bei den weltweit bislang rund 800 behandelten Kindern jedoch fünf bestätigte TMA-Fälle auf. Die Patienten im Alter von vier bis 23 Monaten entwickelten innerhalb von sechs bis elf Tagen nach Infusion von Zolgensma Symptome wie Erbrechen, erhöhter Blutdruck, Oligurie/Anurie und/oder Ödeme. Die Laborwerte zeigten eine Thrombozytopenie, erhöhtes Serumkreatinin, eine Proteinurie und/oder Hämaturie sowie eine hämolytische Anämie. Zwei Patienten, die innerhalb von zwei bis drei Wochen nach der Zolgensma-Infusion geimpft worden waren, hatten zusätzlich eine Infektion. Zwei Patienten mussten aufgrund der TMA an die Dialyse; einer von ihnen verstarb sechs Wochen nach dem Ereignis.

Im Rote-Hand-Brief wird nun geraten, vor der Verabreichung von Zolgensma zusätzlich zu den bereits empfohlenen Laboruntersuchungen auch den Kreatinin-Wert zu bestimmen sowie ein großes Blutbild inklusive Hämoglobin und Thrombozytenzahl zu machen. »Die Thrombozytenzahl sollte in der Woche nach der Infusion engmaschig kontrolliert und danach regelmäßig überwacht werden«, so die Empfehlung. Fällt die Zahl der Blutplättchen ab, sollen weitere Untersuchungen auf hämolytische Anämie und Nierenfunktionsstörung erfolgen.

»Wenn Patienten Anzeichen, Symptome oder Laborbefunde aufweisen, die auf eine TMA hindeuten, sollte direkt fachärztlicher und multidisziplinärer Rat in spezialisierten Zentren eingeholt werden und die TMA sollte unverzüglich wie klinisch angezeigt behandelt werden«, rät Novartis. Betreuungspersonen sollen über die Anzeichen einer TMA informiert werden, um diese frühzeitig zu erkennen. Dazu zählen Blutergüsse, Krampfanfälle und Oligurie. Bei Verdacht auf TMA muss das betroffene Kind unverzüglich in notärztliche Behandlung.

Bei Zolgensma handelt es sich um ein Gentherapeutikum, das ein defektes SMN1-Gen ersetzt, indem es das korrekte Gen mithilfe eines Vektors (ein nicht replizierendes rekombinantes Adeno-assoziiertes Virus vom Serotyp 9, AAV9) in die Zellen einschleust.

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