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Coronavirus-Diagnostik

Tests auf Rekordniveau

In der vergangenen Woche wurden mit etwa 360.700 SARS-CoV-2-Tests mehr Tests als jemals zuvor durchgeführt, berichten die Akkreditierten Labore in der Medizin. Insgesamt wurde die Testkapazität seit Anfang März um 250 Prozent gesteigert – was mit Kosten verbunden war.
Christina Hohmann-Jeddi
20.05.2020
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»Der Bedarf an SARS-CoV-2-PCR-hat weiter zugenommen«, berichtete Dr. Michael Müller, erster Vorsitzende der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) am 19. Mai auf einer Pressekonferenz. In der Kalenderwoche 20 wurden ihm zufolge 364.716 in 128 Laboren bundesweit durchgeführt, ein Rekordwert. Davon fielen 6185 positiv aus (1,8 Prozent). Die niedrige Positivenrate zeige, dass das Infektionsgeschehen zurückgegangen sei und auch dass inzwischen mehr und »sensitiver« getestet werde, berichtete Müller. Die Ausweitung der Teststrategie spiegele sich in diesen hohen Testzahlen wider. Dem Aufruf des Bundesgesundheitsministeriums »Testen, testen, testen« werde aber gezielt nachgekommen, etwa durch verstärkte Testung in Altenpflegeheimen oder Krankenhäusern,betonte der Mediziner.

Auch die Zahl der Antikörpertests erhöhte sich auf inzwischen 74.786 in der Kalenderwoche 20. Es tragen nun 128 Labore wöchentlich mit ihren Daten zu der Analyse des Testgeschehens in Deutschland bei. Die Testkapazität für die laufende Woche bleibe mit rund 845.000 PCR-Tests pro Woche fast unverändert hoch. »Sie stabilisiert sich auf einem hohen Niveau«, so Müller. Seit Anfang März sei die Testkapazität bundesweit um 250 Prozent gesteigert worden. Deutschland sei damit im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt.

Die enorme Kapazitätserweiterung sei mit hohen Investitionen und auch Personalkosten verbunden gewesen, berichtete Müller. Dass ein neuer Erreger auftaucht, sei keine neue Situation für die Diagnostiklabore gewesen. »Wir kennen das, wenn plötzlich ein hoher Bedarf entsteht.« Diesem hohen Bedarf konnte mit Umstrukturierung der Arbeit und Überstunden begegnet werden – viele Labore arbeiten seit Ausbruch der Pandemie in einem 24/7-Modus. »Das war ein Kraftakt«, so Müller. Zum Teil wurden auch personelle Kapazitäten frei, weil andere Labortests aufgrund der Pandemie in geringerem Umfang als bisher in Anspruch genommen wurden.

Zudem laufen die neuen Hochdurchsatz-PCR-Tests nur auf speziellen Plattformen. Diese hochpreisigen Geräte waren in gewissem Umfang in deutschen Laboren schon vorhanden, wurden jetzt aber für die Kapazitätsausweitung noch zusätzlich angeschafft. »Das ist ein Teil des Kostenblocks«, so Müller. Es werden auch jetzt noch neue Plattformen angeschafft. Die brauche man zwar im Augenblick nicht, weil seit Wochen die Testkapazität die Nachfrage deutlich überschreite. Die Labore bereiteten sich aber auf eine Phase vor, in der zu einem verstärkten SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen noch eine Grippewelle hinzukommen könnte.

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