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Fertigarzneimittelseminar

Studenten informieren über Hautthemen

Das vergangene Fertigarzneimittelseminar an der Universität Frankfurt hatte die Pharmakotherapie von Hauterkrankungen zum Thema. Ausgerichtet wurde die Fortbildungsveranstaltung vom achten Semester des Studiengangs Pharmazie. Unter wissenschaftlicher Aufsicht der Professoren haben die Studenten in Gruppen zwölf Vorträge ausgearbeitet.
Ruben Numrich
08.03.2019
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Den Auftakt der Veranstaltung machte der Vortrag unter dem Motto »Alles schön bunt hier – Farbstoffe als Dermatotherapeutika«. Farbstoffe, die in der Vergangenheit als Antiseptika verwendet wurden, wurden den Zuhörern nähergebracht. So wurde zum Beispiel das gelb gefärbte Eosin im Jahr 1871 in die Therapie eingeführt, um Superinfektionen zu vermeiden. Trotz seines umstrittenen Einsatzes wird es immer noch – wenn auch eingeschränkt – verwendet.

Kristallviolett fungiert als potenter Glutamatsynthase-Hemmer, der bei nässenden Wunden als Antiseptikum und Antimykotikum wirkt. Als Alternative, für die doch sehr mit unerwünschten Nebenwirkungen behafteten Farbstoffe, rieten die Vortragenden zu Polyhexanid, das ein breites Wirkspektrum aufweist und problemlos auch auf chronischen Wunden angewandt werden kann.

Auch der Juckreiz und seine Behandlung waren Thema beim Seminar. Die Prävalenz von chronischem Juckreiz in der Allgemeinbevölkerung liegt bei 13,5 Prozent. Seine Pathogenese ist vielschichtig. Als sicher gilt, dass er durch Pruritogene wie Histamin, Serotonin oder Substanz P neuronal vermittelt wird. Histaminabhängiger Pruritus kann mit hoch dosierten H1-Antihistaminika der zweiten Generation therapiert werden. Bei µ-Opioid-Rezeptor-abhängigem, arzneimittelbedingtem Pruritus sind Naloxon und Naltrexon Mittel der Wahl. Der Vortrag schloss mit einem kleinen Ausblick auf das, was die pharmazeutische Industrie in der Pipeline hat ab. Die Zeit wird zeigen, inwieweit sich Biologicals wie Dupilumab, PDE4-Hemmer wie Crisaborol oder κ-Opioidrezeptor-Agonisten wie Nalfurafin in der Therapie des Pruritus durchsetzen werden.

Fragt man Kunden in der Apotheke, welche Ursache wohl entzündlicher Hautausschlag hat, werden viele Antworten, dass es wahrscheinlich eine Allergie sei. Der Vortrag »Allergien als häufige UAW von Arzneistoffen« legte nahe, dass der Kunde vielleicht richtig liegt. So ist die Nesselsucht eine Typ-I-Allergie, die die häufigste Art allergischer Hautreaktionen darstellt. Ausgelöst wird diese beispielsweise von Beta-Lactam-Antibiotika. Der Spättyp (Typ-IV) hingegen ist T-Zell-vermittelt und wirkt sich sensibilisierend auf die entsprechenden Hautareale aus. Ein bekannter, jedoch eher seltener Vertreter dieser Kategorie, ist die Photoallergie. Patienten, die zum Beispiel mit Opiaten oder NSAID therapiert werden, und bei denen sich ein Hautausschlag bildet, leiden wahrscheinlich an einer sogenannten Pseudoallergie. Diese wird ausgelöst durch pseudoallergene Wirkungen dieser Wirkstoffe. Auch das durch Allopurinol und Carbamazepin ausgelöste Steve-Johnson-Syndrom wurde besprochen. Dabei handelt es sich um großflächige Erytheme und Blasen.

Das Plenum, das sich hauptsächlich aus Fachpersonal zusammensetzte, beteiligte sich rege an den Diskussionen. Erfahrungen aus dem Praxisalltag wurden geteilt. Debatten über Theorien und das Beantworten von Fragen durch die Studenten schlossen jeden Vortrag ab. /

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