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Berlin/Brandenburg

Streik im Großhandel – Lieferungen verzögern sich

Die Gewerkschaft Verdi hat für den heutigen Mittwoch und den morgigen Donnerstag zu einem Warnstreik im pharmazeutischen Großhandel in Berlin und Brandenburg aufgerufen. Nach Informationen der PZ sind die Großhändler Gehe, Alliance Healthcare, Phoenix und Sanacorp betroffen. Insbesondere am Mittwochnachmittag kann es zu Verzögerungen in den Auslieferungen kommen.
Benjamin Rohrer
01.09.2021  11:04 Uhr

Verdi fordert unter anderem 6 Prozent höhere Löhne und Gehälter sowie ein rentenfestes Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde. Der Großhandel habe insbesondere in der Corona-Krise mit der Lieferung von Impfstoffen gut verdient, betont Verdi. Nun gehe es darum, dass davon auch etwas bei den Beschäftigten ankomme. Die für Ende Juli angesetzte Verhandlungsrunde zwischen beiden Seiten war nicht zustande gekommen. Ein weiteres Treffen ist laut Verdi für den 16. September angesetzt.

Klar ist: Impfstoff-Lieferungen sollen von der Aktion nicht betroffen sein, betonte die Verhandlungsführerin für die Gewerkschaft, Franziska Foullong. Allerdings kann es nach Informationen der PZ insbesondere am heutigen Mittwochnachmittag zu Liefer-Verzögerungen kommen. Der PZ liegt ein Schreiben der Alliance Healthcare Deutschland (AHD) an die Apotheken vor, dass die Vormittagstouren bis 14.00 Uhr zwar »wie gewohnt« erfolgen. Allerdings werden die Apotheken darauf hingewiesen, »nur dringende Positionen« zu bestellen und dass es zu »Lieferverzögerungen« kommen könne.

AHD: Ausgebliebene Lieferungen werden auf Nachttouren verlegt

Die AHD weist darauf hin, dass ausgebliebene Lieferungen vom Tag auf die Nachtbelieferungen umgebucht würden. Die Auslieferung der Nachttour sei sichergestellt – über die Niederlassung im sächsischen Meerane. Für diese Nachttour könnten die Apotheken ab 14:00 Uhr Bestellungen aufgeben.

Auf Nachfrage der PZ erklärte eine Sprecherin der fusionierten Großhändler AHD und Gehe, dass »einige Touren« am heutigen Mittwoch und morgigen Donnerstag entfallen würden, zudem könne es zu »leichten Verzögerungen bei der Auslieferung« kommen. Die Sprecherin wörtlich: »Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dies zu kompensieren und werden eine zeitnahe Nachbelieferung über unser bundesweites Niederlassungsnetzwerk sicherstellen - so dass die Apotheken ihre bestellten Arzneimittel schnellstmöglich erhalten, ohne ihren Service in Richtung Patienten unterbrechen zu müssen. Unsere Kunden wurden bereits von den Außendienstmitarbeitern informiert. Die dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten bedauern wir sehr.«

Was die Forderungen der Gewerkschaft betrifft, teilte die AHD/Gehe-Sprecherin mit: »Wir bedauern auch, dass es noch zu keiner Einigung mit der Gewerkschaft verdi gekommen ist und nutzen unsere Einflussmöglichkeiten in den Tarifkommissionen, um den Prozess zu beschleunigen. Wann die laufenden Tarifverhandlungen zu einem Abschluss kommen, ist derzeit jedoch noch nicht abzusehen. Der Arbeitgeberverband hat seinen Mitgliedsunternehmen deshalb in der Zwischenzeit eine Vorweganhebung der Entgelte auf freiwilliger Basis empfohlen. Alliance Healthcare Deutschland und GEHE Pharma Handel sind der Empfehlung zum 1. August 2021 gefolgt.«

Ein Phoenix-Sprecher ergänzte, dass es gegenwärtig im Berliner Vertriebszentrum zu »leichten Verzögerungen« komme.  Die anderen betroffenen Großhändler haben auf die Fragen der PZ bislang nicht reagiert.*

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Hinweis der Redaktion: Wir haben den Text am Mittwochnachmittag (16:20 Uhr) mit Statements der AHD/Gehe-Sprecherin und des Phoenix-Sprechers aktualisiert.

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