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Windpocken und Gürtelrose

Stiftung Warentest bewertet Impfungen jetzt positiv

Bislang sah die Stiftung Warentest die Windpocken- und Herpes-zoster-Impfung kritisch. Aufgrund neuer Studienergebnisse und der Einführung von Shingrix® hat ihr Expertenteam nun seine Meinung geändert.
Daniela Hüttemann
31.07.2020  12:12 Uhr
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Ein Virus, zwei Erkrankungen: Infiziert sich ein Kind oder Erwachsener mit dem Varizella-zoster-Virus (VZV), löst der Erreger zunächst die Windpocken aus. Dann kann sich das Virus aus der Familie der Herpesviren (HHV3) über Jahrzehnte in die Ganglien zurückziehen, um bei Stress, Krankheit oder im Alter sich als Gürtelrose (Herpes zoster) wieder bemerkbar zu machen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehtl seit 2004 allen Kindern im zweiten Lebensjahr die Impfung gegen VZV (seit 2009 mit zwei Dosen), die in der Regel in Kombination mit der Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) parallel beziehungsweise als Kombiimpfstoff erfolgt. 2012 bewertete die Stiftung Warentest die Windpocken-Impfung nicht für alle Kinder als sinnvoll. Ihre Experten fürchteten, dass es durch die Impfung von Kleinkindern zu einer Verschiebung der Erkrankung hin zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen könnte. Das Robert-Koch-Institut konterte damals in einer Stellungnahme, dass dies zwar denkbar sei, aber aufgrund der Herdenimmunität nicht zu erwarten, solange die Impfquoten hoch genug sind und verwies auf Studien aus den USA und eigene Daten.

Die Stiftung Warentest spricht nun in der neuesten Ausgabe ihres Magazins »Test« von mehr und positiveren Erkenntnissen zur Windpocken-Impfung. Für die Erwachsenen berücksichtigten sie, dass mit Shingrix® ein zweiter (und besserer) Herpes-zoster-Impfstoff seit 2018 verfügbar ist. Warentests Expertenteam, darunter der Bremer Professor Dr. Gerd Glaeske, stufte nun die Windpocken-Impfung sowohl für alle Kinder als auch für Erwachsene, die die Windpocken nicht durchgemacht haben und zu einer Risikogruppe gehören, als sinnvoll ein. Die Zahl der jährlichen Windpocken-Fälle sei seit Einführung der Impfempfehlung von rund 750.000 Fällen im Jahr 2004 auf etwa 22.600 Fälle pro Jahr gesunken, die Impfquote liege bei mehr als 80 Prozent.

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