Wespen benötigen gerade im Spätsommer Zucker und werden daher von Kuchen, Obst oder Limonaden angelockt. / © Getty Images/Andreas Häuslbetz
Der abendliche Spaziergang am See könnte so schön sein, wären da nicht die vielen Mücken, die einem um den Kopf kreisen. Auch der leckere Kuchen am Nachmittag wird derzeit häufig von hartnäckigen Wespen heimgesucht. Da liegt es nahe, dass es häufiger zu Insektenstichen kommt. Ob eine Prophylaxe sinnvoll ist und wie man im Akutfall richtig handelt, hängt von der Art der Plagegeister ab.
Stechmücken oder Gnitzen sind häufig abends aktiv und hauptsächlich in feucht-warmen Monaten. Die Saison beginnt manchmal schon im Frühling und endet je nach Trockenheit im Spätsommer. Ein Stich verursacht Juckreiz, Brennen auf der Haut und eine Rötung oder Schwellung. So zeigt sich die Reaktion des Körpers auf spezielle Proteine, die während des Stichs von den Mücken abgegeben werden. Aufgrund zahlreicher Mückenarten, deren Proteinkomplexe unterschiedlich zusammengesetzt sind, fällt die Reaktion auf die Stiche mal milder und mal stärker aus.
Davon abzugrenzen sind stechende Fliegen wie Bremsen oder Kriebelmücken, die genau genommen beißen, anstatt zu stechen. Durch das Anritzen der Haut sind die Wunden meist größer, anfälliger für Infektionen und schmerzen deutlich stärker.
Wespen, Bienen, Hornissen und Hummeln werden den Hymenoptera (Hautflüglern) zugeordnet. Sie werden im Gegensatz zu den Stechmücken nicht vom Körpergeruch angelockt und stechen auch nicht, um sich von menschlichem Blut zu ernähren, sondern nehmen Duftreize aus Nahrungsmitteln auf.
Vor allem gegen Ende des Sommers suchen sie Zuckerquellen, um sich zu ernähren. Daher werden sie von Saftschorlen, Kuchen oder Obst stark angezogen. Ein schmerzhafter Hautflügler-Stich passiert demnach eher aus Versehen, wenn sich das Insekt durch Herumwedeln mit den Händen, Anpusten oder einer gewissen Enge unter Kleidungsstücken bedroht fühlt.
Ist es zu einem Insektenstich gekommen, sollte die Haut mit einer Kältekompresse, Wasser oder einem feuchten Umschlag gekühlt werden, um den Juckreiz zu lindern und einer Schwellung entgegenzuwirken. Bei Wespen- oder Bienenstichen sollte am besten für circa 20 Minuten – und das mehrmals über den Tag verteilt – gekühlt werden. So empfehlen es die Autoren der S2k-Leitlinie »Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie«, die zuletzt 2023 aktualisiert wurde. Für unterwegs eignen sich Sofort-Kältekompressen sowie kühlende Gele oder Roll-ons. Auch bei Mückenstichen ist Kühlung zu empfehlen.
Bei Mückenstichen entstehen kleine Quaddeln als Reaktion auf die von den Tieren injizierten Proteine – das juckt. / © Getty Images/globalmoments
Um Juckreiz und Entzündung entgegenzuwirken, können auch topische Antihistaminika oder Glucocorticoide versucht werden, wobei die Evidenz hier eher gering ausfällt. Der Einsatz thermischer Stichheiler, die mithilfe von Hitze punktuell und unmittelbar nach dem Stich angewendet werden und so Proteine zersetzen, scheint vor allem bei Mückenstichen den Juckreiz deutlich zu lindern. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie aus 2023, die im Fachjournal »Acta Dermato-Venereologica« veröffentlicht wurde. Eingeschlossen waren 1750 Personen, die mit einem bestimmten Stichheiler insgesamt circa 12.000 Stiche behandelten. Unklar ist jedoch, wie gut solche Produkte bei Stichen durch Hautflügler wirken – hier fehlen noch Daten.
Bei Bienenstichen ist es wichtig, den Stachel zu entfernen, sollte dieser in der Haut verbleiben. Am besten vorsichtig, ohne den Giftsack zu drücken, mithilfe einer Pinzette oder des Fingernagels. Das Hochlagern der betroffenen Gliedmaße kann zusätzlich helfen, das Abschwellen zu unterstützen. Für den Einsatz einer frisch aufgeschnittenen Zwiebel, die man kurz nach dem Stich auf die Haut legt, gibt es keine sicheren Wirksamkeitsbelege. Plausibel könnte der Einsatz dennoch sein, da sie schwefelhaltige ätherische Öle enthält, die entzündungshemmende und keimabtötende Eigenschaften besitzen. Um ein Aufkratzen zu verhindern, können auch wirkstofffreie Pflaster aufgeklebt werden. Diese eignen sich insbesondere für Kinder.
In bestimmten Situationen sollten Insektenstiche ärztlich untersucht werden. Je nach Ausprägung der Symptomatik kommen gezielte und teils individuelle Therapieansätze zum Einsatz. Bei starken Lokalreaktionen oder Insektengiftallergie sind es meist systemische Glucocorticoide, Antihistaminika oder in schweren Fällen Epinephrin. Entzündete Stiche werden je nach Infektion antiseptisch oder antibiotisch therapiert.
Notfallsituation nach Wespen- oder Bienenstich:
• Verdacht auf Insektengiftallergie,
• Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks,
• Stich in Mund- oder Rachenraum,
• Massenstiche.
Ärztliche Kontrolle empfohlen bei:
• geröteter Schwellung > 10 Zentimeter für > 24 Stunden,
• Kindern: gerötete Schwellung größer als die Handfläche,
• Kindern: Schläfrigkeit, Unruhe oder schlechtes Trinkverhalten,
• infizierten Stichen mit Entzündungsanzeichen,
• Verdacht auf Wundrose,
• Verdacht auf durch Mücken übertragene Erkrankung in Risikogebieten (zum Beispiel Malaria, Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Fieber).
Gegen Mückenstiche werden prophylaktisch Repellenzien eingesetzt. Sie kaschieren den menschlichen Körpergeruch und sollen die Plagegeister so abhalten. Alle Stellen, die nicht durch Kleidung bedeckt sind, sollten mit dem Mittel besprüht oder eingecremt werden. Wie lang die Wirkung anhält, hängt vom Wirkstoff und der Konzentration ab. Sie sollten nur auf intakte Haut und nicht auf Schleimhäute aufgebracht werden.
Diethyltoluamid – kurz DEET – kann in niedrigen Konzentrationen bei Kindern über zwei Jahren angewendet werden. Aufgrund von möglichen Hautreizungen und seltenen Fällen von neurologischen Effekten rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von einem Einsatz bei jüngeren Kindern ab. Außerdem sollten die Eltern das Auftragen übernehmen, damit nicht versehentlich etwas vom Produkt auf den Fingern verbleibt und dann in den Mund wandert. DEET hat eine hohe Wirksamkeit und wird auch für tropische Gebiete empfohlen. Die Wirkdauer kann bis zu acht Stunden betragen.
Icaridin besitzt eine ähnliche Wirksamkeit und ist gut verträglich. Es ist konzentrationsabhängig für Kinder ab zwei Jahren einsetzbar, wirkt etwas kürzer als DEET und eignet sich vor allem zum Schutz vor heimischen oder südeuropäischen Mücken. Eine weitere besonders hautverträgliche Alternative ist Ethyl-Butylacetylaminopropionat (IR3535). Es wirkt kürzer als die anderen beiden Repellentien, ist materialverträglich und kann deshalb zum Benetzen von Kleidung verwendet werden.
Einige Präparate sind bereits für Kinder ab einem Jahr geeignet. Das gilt ebenso für Citriodiol, das Öl des Zitroneneukalyptus. Es wirkt von allen Stoffen am schwächsten und kürzesten. Andere individuell zusammengesetzte Mischungen ätherischer Öle verfliegen relativ schnell, weshalb sie keinen zuverlässigen Schutz vor Stichen bieten. Viele ätherische Öle sind zudem in Reinform nicht für Kinder geeignet.
Bei sehr kleinen Kindern oder dann, wenn man nicht auf ein Repellent zurückgreifen kann oder möchte, sollte die Haut möglichst gut mit Kleidung bedeckt sein. Außerdem sind Mückennetze über dem Bett und Fliegengitter an den Fenstern sinnvoll.
Um Wespenstiche zu vermeiden, sollte man Lebensmittel, offene Flaschen oder Getränke im Freien immer abdecken, die Hände und den Mund insbesondere von Kindern nach dem Essen reinigen und Lebensmittel unmittelbar nach der Mahlzeit wegräumen. Manchmal hilft es auch, wenn man Wespen mit aufgeschnittenem Obst oder etwas anderem Süßem in eine andere Ecke des Balkons oder Gartens lockt, rät der Umweltverband BUND aktuell.
Ist doch eine Wespe in der Nähe, sollte man ruhig bleiben. Denn für die Tiere ist Angstschweiß ein Warnsignal. Auch Wegblasen sei keine Alternative, denn das ausgeatmete Kohlendioxid mache die normalerweise ruhigen Tiere erst aggressiv. Hilfreich könne es auch sein, Kleidung in dunklen Farben und kein Parfum zu tragen.