| Laura Rudolph |
| 04.05.2026 09:00 Uhr |
Wie bei anderen Antimykotika treten auch bei Terbinafin Resistenzen auf, etwa beim Pilz Trichophyton mentagrophytes, der aus Indien stammt und sich zunehmend auch in Europa ausbreitet. / © Imago Images/Depositphotos
Was sind die Einsatzgebiete von Terbinafin?
Als Creme kommt Terbinafin bei oberflächlichen Pilzinfektionen der Haut wie Flechten oder Fußpilz zum Einsatz, die durch Dermatophyten oder andere gegen den Wirkstoff empfindliche Erreger verursacht werden. Bei Nagelpilz kommen sowohl eine topische Therapie (nur bei leichten bis mittelschweren Verläufen) als auch eine orale Einnahme infrage. Eine systemische Anwendung ist außerdem bei ausgedehnten, wiederkehrenden oder topisch schwer behandelbaren Pilzinfektionen der Haut indiziert.
Wie wirkt Terbinafin?
Terbinafin stört den Aufbau der Pilzzellmembran: Es hemmt das Enzym Squalenepoxidase, das am Syntheseweg des essenziellen Membranbestandteils Ergosterol beteiligt ist. In der Folge reichert sich in der Pilzzelle das Zwischenprodukt Squalen in toxischen Konzentrationen an, was die fungizide Wirkung gegen Dermatophyten, Schimmelpilze und bestimmte dimorphe Pilze begründet. Gegen Hefepilze wirkt Terbinafin, je nach Art, ebenfalls fungizid oder fungistatisch. Relativ resistent gegenüber dem Wirkstoff sind etwa die Candida-Arten C. albicans, C. tropicalis und C. glabrata.
Das Enzym Squalenepoxidase kommt übrigens auch im Menschen vor. Allerdings beeinträchtigt Terbinafin die menschliche Variante erst in wesentlich höheren als den therapeutisch eingesetzten Dosen.
Wie wird Terbinafin dosiert?
Cremes zur lokalen Anwendung enthalten den Wirkstoff in einer Konzentration von 1 Prozent und sind, je nach Indikation, ein- bis zweimal täglich auf die betroffenen Hautstellen aufzutragen. Anwenden dürfen sie Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren. Terbinafin-Nagellack (Wirkstoffgehalt: 78,22 mg pro Milliliter) ist nur für Erwachsene bestimmt und wird in den ersten vier Wochen einmal täglich, danach nur noch wöchentlich aufgetragen. Bei der Behandlung ist Ausdauer gefragt: bei Fingernägeln ungefähr sechs Monate, bei Zehennägeln etwa neun bis zwölf Monate.
Aufgrund begrenzter Daten sind auch Terbinafin-Tabletten zur oralen Einnahme nur für Erwachsene bestimmt. Die Standarddosis beträgt einmal täglich 250 mg ohne Dosisanpassung im Alter. Die Behandlungsdauer variiert je nach Erkrankung. Bei Haut- und Fußpilz beträgt sie in der Regel vier bis sechs Wochen, bei Pilzinfektionen der Fingernägel sechs Wochen bis drei Monate und am Fußnagel bis zu sechs Monate.
Welche Kontraindikationen gibt es?
Bei Topika beschränken sich die Gegenanzeigen auf eine Überempfindlichkeit gegen den Arzneistoff oder sonstige Inhaltsstoffe. Orales Terbinafin ist auch bei eingeschränkter Leberfunktion kontraindiziert. Bei verminderter Nierenleistung (Kreatinin-Clearance < 50 ml/min oder Serum-Kreatinin > 300 Mikromol/Liter) wird die systemische Anwendung wegen mangelnder Daten nicht empfohlen. Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr, zum Beispiel bei HIV-Infektion, nach Organtransplantation oder unter einer lang andauernden, hoch dosierten Therapie mit Corticosteroiden, sollten die orale Anwendung von Terbinafin mit einem Arzt besprechen. Selbiges gilt auch für Patienten mit Psoriasis (Schuppenflechte) oder Lupus erythematodes, da in sehr seltenen Fällen über eine Verschlimmerung unter einer Behandlung mit dem Antimykotikum berichtet wurde.
Regelmäßiger Leber-Check bei oraler Einnahme
Bevor Ärzte Tabletten mit Terbinafin verordnen, sollten sie immer die Leberwerte des Patienten bestimmen, weil Lebertoxizität unter der Medikation auch ohne vorbestehende Lebererkrankung auftreten kann. Eine regelmäßige Überprüfung alle vier bis sechs Wochen wird empfohlen. Bei erhöhten Leberwerten müssen Patienten Terbinafin sofort absetzen. Apotheken- und Praxisteams sollten sie zudem darauf hinweisen, dass sie bei Symptomen, die auf eine Leberschädigung hindeuten, sofort zum Arzt gehen sollen. Dazu zählen: unerklärliche, länger anhaltende Übelkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Erbrechen, Schmerzen im oberen Magen-Darm-Trakt, Gelbsucht, dunkler Urin sowie blasser Stuhl.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Bei der oralen Einnahme stehen folgende Nebenwirkungen im Vordergrund: Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden wie Dyspepsie, Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall, verminderter Appetit, nicht schwerwiegende Hautreaktionen wie Ausschläge und Nesselsucht sowie Gelenk- und Muskelschmerzen. Kommt es zu Schwindel, sollten Patienten weder Auto fahren noch schwere Maschinen bedienen. In sehr seltenen Fällen kann es bei systemischer Anwendung von Terbinafin zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen, etwa schweren Hautreaktionen wie dem Stevens-Johnson-Syndrom oder Agranulozytose.
Bei der topischen Anwendung zählen Abschälung und Juckreiz der Haut (bei Cremes) zu den häufigen sowie Rötungen und Reizungen an der Applikationsstelle (bei Nagellack) zu den gelegentlichen Nebenwirkungen.
Welche Wechselwirkungen können auftreten?
Arzneimittel, die CYP3A4 oder CYP2C9 hemmen, können die Wirkung von oralem Terbinafin verstärken, darunter etwa Fluconazol, Ketoconazol, Amiodaron und Cimetidin. Dagegen senkt Rifampicin die Wirkspiegel des Antimykotikums. Terbinafin selbst inhibiert CYP2D6 und wechselwirkt daher potenziell mit allen Wirkstoffen, die hauptsächlich durch dieses Enzym verstoffwechselt werden. Dazu zählen etwa bestimmte Vertreter der trizyklischen Antidepressiva, Betablocker, selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), Antiarrhythmika oder MAO-B-Hemmer. Terbinafin kann zudem die Wirkung des Immunsuppressivums Ciclosporin abschwächen.
Bei Topika gibt es keine Hinweise auf Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln.
Was ist in der Schwangerschaft und Stillzeit zu beachten?
Orales Terbinafin sollte nicht in der Schwangerschaft angewendet werden, es sei denn, der Nutzen für die Mutter überwiegt eindeutig die potenziellen Risiken für das Kind. Da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, dürfen Frauen unter systemischer Einnahme nicht stillen. Auch bei Topika raten die Hersteller von der Verwendung in Schwangerschaft und Stillzeit ab.
Bei Embryotox, dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Berliner Charité, heißt es dagegen, dass unter einer lokalen Therapie mit Terbinafin uneingeschränkt weiter gestillt werden darf, da aufgrund der geringen systemischen Resorption nicht mit einer nennenswerten Aufnahme durch den Säugling gerechnet wird. Besser geeignet zur lokalen Anwendung seien jedoch Clotrimazol, Miconazol und Nystatin. Falls eine systemische Therapie notwendig sei, sollte etwa Fluconazol bevorzugt werden.
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