| Cornelia Dölger |
| 12.08.2026 12:00 Uhr |
Erschwerend hinzu kämen die Folgen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Mit dem Gesetz werden Vertragsarztpraxen wieder stärker budgetiert; Privatärzte bekommen hingegen weiter jede Leistung vergütet. Wasem sieht darin eine Verschärfung der Diskrepanz. Eine Termingarantie, die mit Vergütungskürzungen einhergehe, prangert auch Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), schon länger an. Er rechnet klar mit einer schlechteren Terminverfügbarkeit.
Die beiden Versicherungssysteme anzugleichen, halten die privaten Kassen freilich für den falschen Weg. Der Verband der Privaten Krankenversicherung weist entsprechende Forderungen regelmäßig zurück. Auch gegenüber der »Berliner Morgenpost« verweist ein Verbandssprecher nun darauf, dass privat Versicherte wegen ihres Bevölkerungsanteils von rund zehn Prozent »schon rein rechnerisch« nicht die Terminprobleme von 90 Prozent gesetzlich Versicherten verursachen könnten. Ausschlaggebend sei eher die im europäischen Vergleich hohe Zahl von Arztkontakten, weshalb eine bessere Patientensteuerung nötig sei.
Womit der Ball wieder bei der Bundesregierung liegt und insbesondere beim neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU). Das Primärversorgungssystem soll noch in diesem Jahr konkretere Gestalt annehmen; im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot ist es bereits angelegt. Die technischen Voraussetzungen soll das unlängst vom Kabinett verabschiedete Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) schaffen.