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Corona-Impfstoffe

Sind Impfstoffstudien mit gezielter Infektion das Risiko wert?

Unter anderem äußerte sich Professor Dr. Adrian Hill vom Jenner-Institut der Universität Oxford gegenüber der britischen Zeitung »The Guardian«, dass man in Absprache mit dem Kooperationspartner Astra-Zeneca hoffe, bis Ende des Jahres Challenge-Studien mit des gemeinsamen Impfstoffkandidaten AZD1222 durchführen zu können.

Dagegen verlautbarte Paul Stoffels, Chief Scientific Officer bei Johnson & Johnson gegenüber der »New York Times«, dass sein Unternehmen Challenge-Studien nur dann in Betracht ziehen würde, wenn eine bewährte Behandlung zur Verfügung stünde.

Geld ist kein Motivationsfaktor

Eines scheint klar zu sein: Wer sich freiwillig an derartigen Studien beteiligen möchte, tut dies nicht des Geldes wegen. »Ganz offensichtlich motiviert unsere Freiwilligen nicht die Entschädigungssumme«, so Morrison, »obwohl die Probanden natürlich einen Geldbetrag erhalten, der auch die Kosten für Reisen und Lohnausfälle abdeckt«.

Nach ihrer tatsächlichen Motivation gefragt, antworten die jungen Leute beispielsweise: »Ich fühle mich ziemlich hilflos angesichts der ganzen Pandemiesituation. Es fühlte sich einfach richtig an.« Oder ein anderer Freiwilliger sagt, er habe sich im März gemeldet, nachdem er über medizinische Studien im Allgemeinen nachgedacht hatte.

Wieder eine andere möchte erfahren, »wie viele Menschenleben wohl durch eine schnellere Impfstoffentwicklung gerettet werden könnten.« Und danach gefragt, ob sie es sich nach der Anmeldung noch einmal überlegt habe, sagt sie: »Sicher habe ich das. Das ist beängstigend. Aber ich würde sagen, meine ursprüngliche Motivation steht noch. Die potenziellen Vorteile überwiegen meine Angst.«

Erste Versuche in London geplant

Tatsächlich soll nun in London Medienberichten zufolge ein erster klinischer Challenge-Versuch vorbereitet werden. Im Januar soll es losgehen. Dann werden gesunde, erwachsene Freiwillige unter kontrollierten Quarantäne-Bedingungen dem Coronavirus ausgesetzt werden, nachdem sie einige Wochen zuvor einen potenziellen Impfstoff verabreicht bekommen haben, wie die «Financial Times» unter Berufung auf Projektbeteiligte schreibt. Man arbeite mit Partnern zusammen, um mithilfe von «Human Challenge»-Tests die Entwicklung von Impfstoffen zu beschleunigen, bestätigte vor Kurzem ein Regierungssprecher auch der Deutschen Presse-Agentur in London.

Da trifft man dann die Stakeholder wieder, die bisher vorgestellt wurden: Über die US-amerikanische Organisation 1DaySooner sollen sich bereits rund 2000 Freiwillige für ein solches Projekt gefunden haben. Es wird federführend vom Londoner Imperial College geleitet. Getestet werden soll dabei AZD1222, der Kandidat von Astra-Zeneca und der Universität Oxford. Ob man nun dafür oder dagegen ist: Von dem dort generierten Wissen werden wir alle profitieren.

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