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Apothekerkammer Hamburg

Siemsen fordert 2,7 Milliarden Euro Inflationsausgleich

Seit 2004 haben die Apotheken bis auf eine einmalige kleine Erhöhung keine Honoraranpassung bekommen, jetzt wird sogar gekürzt. Abgekoppelt von der wirtschaftlichen Entwicklung und angesichts der Kostenexplosion wäre ein Inflationsausgleich von 2,7 Milliarden Euro angemessen, findet Kai-Peter Siemsen, Präsident der Apothekerkammer Hamburg. Die Apothekerschaft müsse mehr fordern. Er kritisierte den »Schmusekurs« mit der Politik auf Bundesebene.
Daniela Hüttemann
24.11.2022  15:30 Uhr
Siemsen fordert 2,7 Milliarden Euro Inflationsausgleich

Forderungen nach Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich sind bei vielen Gewerkschaften gang und gebe, und jährliche Anpassungen werden hier auch immer erreicht. »Forderungen, die zu Zeiten von mehr als 10 Prozent Inflation von vielen als gerechtfertigt angesehen werden«, so Kai-Peter Siemsen, Präsident der Apothekerkammer Hamburg, bei deren Vollversammlung am gestrigen Mittwochabend.

Dass die Inflation alle treffe, habe sogar die Ampelkoalition verstanden. Trotzdem habe man den Apotheken eine mehrschichtige Honorarkürzung verpasst. Siemsen nannte die anstehende Kürzung des Packungshonorars in Form eines erhöhten Rabatts für die Krankenkassen sowie Verluste des variablen Honoraranteils über die Deckelung der Hersteller-Abgabepreise eine »schallenden Ohrfeige« von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) – und das gerade angesichts der »übermenschlichen« Leistungsbereitschaft der Apotheken während der Pandemie. »Das sorgt für Frust, Wut, Angst und wirtschaftliche Not und motiviert sicher nicht, zukünftig wieder anstehende Sonderaufgaben zu übernehmen«, so der Kammerpräsident.

»Allein für den Inflationsausgleich der letzten zwei Jahrzehnte fordern wir 2,7 Milliarden Euro für die Deutsche Apotheke – auch für eine angemessene Bezahlung unserer Mitarbeiter.« Zahllose kostenlose Leistungen der Apotheken wie das Inkasso des Herstellerrabatts für die Krankenkassen seien hier noch nicht einmal eingepreist.

»Große Reform steht vor der Tür«

Siemsen ist klar, dass die Apotheken diese Summe nicht einfach so bekommen werden, doch müsse man dies klar fordern und den Ernst der Lage verdeutlichen. Er kritisierte auch die ABDA und den bisherigen »Schmusekurs« mit der Politik auf Bundesebene und warnte vor den möglichen Folgen einer für Mai nächsten Jahres angekündigten großen Reform des Gesundheitswesens. Er kann sich nicht vorstellen, dass die Apotheken verschont bleiben. 

»Jedes Jahr verlieren wir hunderte von Apotheken – für immer«, so Siemsen und warnte vor einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung allgemein. »Es ist eine Lüge, wenn Lauterbach postuliert, dass das deutsche Gesundheitswesen trotz Sparmaßnahmen keinerlei Leistungseinschränkungen für die Patienten bereit hält.« Als Beispiele nannte er »Facharzttermine in Unendlichkeit«, monatelanges Warten auf eine OP und Hilfsmittel »nur zu Dumpingpreisen in teilweise unwürdiger Qualität«. Hinzu komme der Fachkräftemangel in den Apotheken, auch angesichts »praktisch gesetzlich gedeckelter Bezahlung« und fehlender Studienplätze. 64 Erstsemester-Plätze seien für eine Millionen-Metropole wie Hamburg eher beschämend, insbesondere da man sich als Life-Science-Stadt rühme. Siemsen versprach, sich hier weiterhin hartnäckig bei der zuständigen Senatorin einzusetzen.

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