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Impulskontrollstörung
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Shoppen gegen Einsamkeit

Auf den Klick folgt der Glücksmoment – und schon ist die nächste Bestellung abgeschickt. Wenn Kaufen Stress, Frust oder Einsamkeit verdrängen soll, kann daraus eine Kaufsucht entstehen. Die Folgen: Scham, Kontrollverlust, Überschuldung. Was Betroffenen hilft, erklären Experten.
AutorKontaktdpa
Datum 26.08.2026  08:00 Uhr
Schuldgefühle können erneuten Kaufimpuls auslösen

Schuldgefühle können erneuten Kaufimpuls auslösen

Über welchen Zeitraum sich eine solche Sucht entwickelt, ist unterschiedlich. Manchmal sind es Monate, bei anderen Menschen schleicht sie sich im Laufe der Jahre ein. Ein Kreislauf entsteht: Ein unangenehmes Gefühl löst einen Kaufimpuls aus. Durch den Kauf tritt eine kurze Erleichterung ein, es folgen Schuldgefühle und Scham – diese negativen Gefühle können wiederum den nächsten Kaufimpuls auslösen. »Den Menschen ist dies kognitiv bewusst, doch sie können es nicht stoppen«, so Müller.

Die Ursachen für diese Sucht sind sehr verschieden. Fachleute gehen davon aus, dass etwa 5 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland mindestens ein problematisches oder kaufsuchtgefährdetes Verhalten zeigen. Treffen kann die Sucht laut Rasimus im Prinzip jeden. Jüngere Menschen gelten häufig als stärker gefährdet, unter anderem auch, weil sie besonders viel mit Social Media oder Influencer-Marketing in Kontakt sind.

Sozialer Status schützt nicht

»Früher wurde Kaufsucht oft stärker mit Frauen verbunden. Da wäre ich vorsichtig«, sagt Rasimus. Möglicherweise sprechen Frauen mehr darüber oder suchen eher Hilfe. Sozialer Status schützt ebenfalls nicht – Betroffene mit hohem Einkommen können ihre Sucht jedoch länger kaschieren.

Doch irgendwann wird es auch bei ihnen finanziell eng. Bei einer Kaufsucht werden oft Summen ausgegeben, die an irgendeinem Punkt die finanziellen Ressourcen der Betroffenen aufbrauchen.

Das kann Folgen haben. Teils nehmen Menschen mit Kaufsucht Kredite auf, die sie wegen ihrer Sucht nicht tilgen können. Sie bestellen Waren auf fremde Namen, können mit Fortschreiten der Sucht vielleicht weder Miete noch Strom bezahlen. Das führt nicht nur in eine finanzielle Krise – etwa in die Überschuldung –, sondern ist auch psychisch enorm belastend. Betroffene leiden häufig unter Ängsten und Depressionen.

Produkte emotional bewerten

Die moderne Welt hat das Leben für Menschen mit Kaufsucht noch schwerer gemacht. »Die Hürden zum Shoppen sind viel geringer als früher«, sagt Müller. Jeden Tag rund um die Uhr könne man mit einem einfachen Mausklick in einem schier unendlichen Warenangebot einkaufen. Nur noch selten wird bar gezahlt, hinzu kommen verlockende Kredit- sowie Ratenangebote – so kann die Übersicht über die eigene finanzielle Lage rasch verloren gehen.

Hinzu kommt, dass die Anbieter von Waren sehr geschickt darin sind, Aufmerksamkeit und Kaufimpulse zu erzeugen. »Rabattzeichen, Signalfarben, durchgestrichene Preise, Prozentangaben oder Sternebewertungen ziehen den Blick oft sehr schnell auf sich«, so Rasimus, der das Eye-Tracking-Labor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg leitet. »Das macht uns nicht hilflos, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt in den Fokus rückt und emotional bewertet wird.«

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